Ein Gang durch die Kirche St.Thomas

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Blick zum Altarraum

Der Baukörper

Prägend für die St.Thomaskirche ist die Anordnung ihrer Bankreihen. Die Gemeinde versammelt sich „rings“ um ihren Herrn, der in ihrer „Mitte“ ist. Und sie tut es in einem durch die Dachform angedeutetem „Zelt“. Das „Zelt“ verweist auf die erste symbolische Wohnstatt Gottes inmitten seines Volkes, nämlich dem Zeltheiligtum Israels, das mit dem wandernden Volk Israel mitzog, und das durch die Bundeslade von der heiligen Gegenwart Gottes erfüllt war. Die Zeltform macht bis heute darauf aufmerksam, dass die Kirche bis heute niemals „stillstehen“ und sich „festsetzen“ darf, sondern stets Gott auf dessen Wegen zu folgen hat. Die Seitenkapelle war als Raum für Werktagsgottesdienste vorgesehen, wurde dafür aber nie genutzt.

Die Ausstattung

Wenn man die Kirche betritt, fällt der Blick sofort auf das hohe Standkreuz. Mit weit ausladenden Armen wartet der erhöhte Herr auf jeden, der eintritt. Der Blick fällt dann auf den massiven Altar, der wie ein sperriger Klotz im Weg liegt – sei es als fester „Grundstein“, sei es als „Stein des Anstoßes“.

Ambo, Altar, Taufbrunnen, Tabernakelsockel und neuerdings auch der Fußboden (der die Gemeinde symbolisiert) sind aus gleichem Sandsteinmaterial und stehen für die unterschiedlichen Weisen der Gegenwart Gottes: in seinem Wort, im heiligen Mahl, in den Sakramenten, in den Menschen.

Der große Bronzeständer der Osterkerze ist sowohl mit einem Zeichen des Todes (der Dornenkrone) als auch mit einem der Auferstehung (nämlich der goldenen Kugel als Symbol des ewigen Königtums Jesu) verziert.

Als die Diskussion aufkam, hat sich St.Thomas sehr schnell für den Pastoralen Raum entschieden. An dem Wandpfeiler neben der Seitenkapelle sind deshalb sechs Bronzetafeln mit den Namenpatronen unserer sechs Kirchen rund um das Bild unseres neuen Gemeindepatrons, des Hl.Raphael, angeordnet.

Die Fenster

Ein besonderes Element dieser Kirche sind die Fenster. Sie stammen von Gabriele und Martin Hagenhoff aus Belm bei Osnabrück. Es sind insgesamt sechs Fenster, die man aber nicht von allen Plätzen aus sehen kann.

Alle sechs Fenster haben Gott zum Thema: sie sprechen von seiner Verborgenheit, aber auch von seinen unübersehbaren Spuren in seiner ganzen Schöpfung. Sie haben aber in gleicher Weise auch den Menschen zum Thema: nämlich seine Beziehungen zur Schöpfung, zum Mitmenschen und zu Gott, sein Suchen nach Sinn und letztem Halt.

Das erste Fenster befindet sich in der Seitenkapelle: „Der Mensch in Begegnung“. Der Mensch ist hier dargestellt im Gegenüber einer Gruppe von Mitmenschen. Von oben herab leuchtet das Goldgelb als Symbol des göttlichen Bereichs; es findet sich wieder in allen Gestalten. Im Mitmenschen Gott wahrnehmen und den Menschen als Ebenbild Gottes betrachten – davon spricht dieses Fenster.

Das zweite Fenster ist das große Hauptfenster: „Der Mensch in Begegnung mit Gott“. In der traditionellen Symbolfarbe für den Bereich Gottes (Goldgelb) zielt das göttliche Du in immer weiter ausholenden konzentrischen Kreisen auf den Menschen hin, berührt ihn und holt ihn ein. Der Mensch antwortet, indem er sich umfangen lässt und sich Gott zuwendet.

Das dritte Fenster ist ein schmales Lichtband neben dem hohen Standkreuz: „Der Mensch – ein Beschenkter“. Der Mensch ist in diesem Fenster ganz als Empfangender dargestellt: Der göttliche Bereich neigt sich von oben bis zu ihm herab.

Das vierte Fenster, „Der Mensch – voll Dank und Lobpreis“, befindet sich neben der Orgel und antwortet auf das vorhergehende, denn in diesem Fenster ist die Beziehung genau umgekehrt: Die Symbolfarbe des Menschen, das Violett (als Komplementärfarbe zum Goldgelb Gottes) steigt über den Menschen hinauf.

Das fünfte Fenster ist das große, lange Fensterband in der rechten Seitenwand: „Der Mensch inmitten der Schöpfung“. Die dargestellte Landschaft steht stellvertretend für die ganze Schöpfung. Gottes Spur (Goldgelb) lässt sich in jedem Teil seiner Schöpfung finden: Nichts ist ohne Gott.

Das sechste Fenster befindet sich in der Marienkapelle, in unmittelbarer Nähe zur Tür zum Beichtraum: „Der Mensch – wo findet er Halt und damit Sinn“? Kräftige vertikale goldgelbe Balken durchdringen den Menschen und geben ihm Gradlinigkeit und innere Festigung.

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Hauptfenster "Der Mensch in der Begegnung mit Gott"