Ein Gang durch die Kirche St.Hedwig

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Blick von der Empore

Grundriss und Raumgefüge der Kirche St.Hedwig stellen trotz der vielseitigen Architektur der 60er Jahre etwas Besonderes dar. Neben der Ev. Auferstehungskirche in Hemelingen ist St.Hedwig das bedeutendste Bremer Beispiel einer „organischen“ Bauauffassung. Deshalb steht sie trotz ihrer wenigen Jahre bereits unter Denkmalschutz. Mit ihren geschwungenen Formen setzt die Kirche außerdem einen starken Kontrast zu den quaderförmigen Wohnhäusern der Neuen Vahr. Im Jahr 2008 wurde St.Hedwig zur Pfarrkirche im Pastoralen Raum St.Raphael bestimmt.

Architekt: Büro Burlage & Niebuer
Baubeginn: 3.September 1961
Grundsteinlegung: 26.November 1961
Richtfest: 1.Juni 1962
Konsekration: 31.März 1963
Orgel: Alfred Kern, Strassburg

Die Baugestalt

Der Besucher betritt die Kirche von der Westseite her und gelangt zunächst in die Hedwigskapelle unter der Empore. Von dieser in der Tradition vieler romanischer Kirchen gedrückt wirkenden Eingangssituation öffnet sich der Blick in die Weite des geschwungenen Kirchenschiffes und lässt innerlich „aufatmen“.

Der Grundriss der Kirche bildet einen Fisch nach. Der Fisch ist in der Ikonographie der Urkirche ein Symbol für Christus, denn die fünf Buchstaben des griechischen Wortes „IXTUS“ (Fisch) bilden die Anfangsbuchstaben eines Christusbekenntnisses:

I = Iesus = Jesus
X = Christos = Christus
T = Theos = Gott
U = (h)uios = Sohn
S = Soter = Retter

„Jesus Christus, Gottes Sohn, unser Retter“.

Die Fenster

Im Kirchenraum fallen die Fenster kaum auf; dennoch ist die Kirche durch die Glaswand beim Haupteingang und das sich am Deckenansatz hinziehende Fensterband lichtdurchflutet.

Ein ganzseitiges Buntglasfenster in der Seitenkapelle neben dem Altar stellt den „Brennenden Dornbusch“ und das „Durchschreiten des Rotes Meeres“ dar und verweist hiermit auf die ursprüngliche Funktion dieses Raumes als Taufkapelle.

Die Glasbetonfenster in der Hedwigskapelle zeigen das Gleichnis vom Sämann: Gottes Wort gleicht einem Samenkorn, das von Vögel aufgepickt, von Dornen erstickt wegen steinigen Bodens nicht aufgeht oder eben auf guten Boden fällt und hundertfach Frucht bringt. Im Beichtraum schließen sich Buntglasfenster zum Gleichnis vom Unkraut unter dem Weizen an.

Die Ausstattung

In einem Glasschrein in der Wand der Hedwigskapelle steht ein vom Goldschmied Polders (Kevelaer) in Kreuzform geschaffenes kostbares Reliquar. Der Hildesheimer Bischof Janssen hatte 1960 zum tausendjährigen Godehard-Bernward-Jubiläum eine Hedwigs-Reliquie aus Breslau geschenkt bekommen. Einen Teil davon, einen Knochensplitter vom rechten Arm der Heiligen, schenkte er an uns weiter.

Die Entwürfe für den Tabernakel, die Kreuzgruppe, das Taufbecken und die Marienfigur schuf der Künstler Rudolf Krüger. Der Kreuzweg wurde 1981 durch Elisabeth Kaiser-Arentz, einem früheren Gemeindemitglied, in Batik-Technik geschaffen.

Die in der Hedwigskapelle angebrachte, vom Bildhauer Poletty (Altötting) aus Muschelkalk geschaffene Statue der Hl.Hedwig ist die Kopie einer gotischen Skulptur eines unbekannten Meisters um 1430, die heute in Passau/Niedernburg steht.

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Der Gebetsort für die Verstorbenen

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In der Hedwigskapelle liegt das Verstorbenenbuch der Gemeinde aus. Es enthält die Einträge der ehemaligen Kirchengemeinden St.Hedwig und St.Laurentius sowie alle Verstorbenen seit Auflösung dieser Gemeinden und Gründung des Pastoralen Raumes St.Raphael. Leider sind aus der Anfangsphase von St.Hedwig und auch von St.Laurentius die Eintragungen unterschiedslos im Sterberegister von St.Elisabeth erfolgt, so daß eine genaue örtliche Zuordnung jetzt nicht mehr möglich ist.

Beginnend mit dem 1.November wird für jeden Verstorbenen darüber hinaus ein persönliches Namenskreuz aufgehängt, das im darauffolgenden Jahr zum Totengedenken zu Allerheiligen den Familien als besonderes Zeichen unserer Verbundenheit geschenkt wird.

Die vielen Nationen

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Seit einigen Jahren hängt in unserer Kirche eine Weltkarte. Sie zeigt mit Flaggen gekennzeichnet viele der Herkunftsländer unserer Gemeindemitglieder an. Wir wissen, dass unsere Gemeindemitglieder aus rund 80 Nationen stammen. Das ist in anderen Bremer Gemeinden ähnlich, aber die Vielfalt der Herkunftsländer ist in keiner anderen Kirche so auffällig und prägend wie in St.Hedwig.

Außerdem zieht sich eine lange Reihe von Vaterunser-Texten in vielen Sprachen die Wand entlang bis in den Altarraum. Alle Sprachen werden in unserer Gemeinde gesprochen. Unter anderen ist auch die aramäische Sprache Jesu dabei, die bis heute von einer unserer Familien gesprochen wird.

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Vaterunser in tamilischer Sprache                Vaterunser in persischer Sprache