Weltmissionssonntag 2016
Sonntag, 23. Oktober 2016

Einführung und Kyrie

Viele Menschen sind heute eher pessimistisch und erwarten nichts Gutes für die Zukunft, schon gar nicht so etwas wie „Heil". Gegen eine solche Haltung haben wir gesungen: „Macht Gottes Heil den Menschen kund". (GL 551,1-2) Gerade heute am „Weltmissionssonntag" wollen wir von Gottes „heilender" und „heilsamer" Zukunft sprechen! Wir sind damit nicht blauäugig optimistisch sondern vertrauen dem Gotteswort, das im Motto des diesjährigen Weltmissionssonntags zum Ausdruck kommt: „Denn sie werden Erbarmen finden!"

„Denn sie werden Erbarmen finden!" Hier im Altarraum stehen merkwürdige Figuren. Vor oder neben ihnen stehen diese erbarmungslosen Warnschilder: „Würde streng verboten!" „Ausgelaugt! Nicht beachten!" „Vorsicht! Nicht zu nahe treten!" „Keiner haftet für Ihre Bloßstellung!" „Achtung Armut! Ansteckungsgefahr!" „Unterstützen verboten!" Zum Glück stehen diese Schilder vor Holzfiguren. Sie können diese Vorwürfe nicht hören. Sie müssen solche Einstellungen nicht aushalten. Aber es gibt diese Haltungen! Und sie sind auch nicht selten: Ausgesprochen oder unausgesprochen; bewusst oder unbewusst; mich kalt lassend oder mich nachdenklich machend; mich nicht berührend oder mich beschämen.

Du bist an keiner Not vorbeigegangen: Herr, erbarme dich...
Du hast für alle Erbarmen: Christus, erbarme dich...
Du hast gesagt: Wer den Geringsten aufnimmt, nimmt mich auf: Herr, erbarme dich...
Der allmächtige Gott erbarme sich unser, nehme von uns Sünde und Schuld und führe alle Menschen den Weg ins Leben. (Amen.)

 

Predigtgestaltung

Liebe Gemeinde! „Denn sie werden Erbarmen finden!" Im „Jahr des Erbarmens" ist das ein häufig gesprochenes Wort. An einem „Weltmissionssonntag" ist „Denn sie werden Erbarmen finden!" aber ein eher überraschendes Wort. Sollen wir denn tatsächlich immer noch denken, daß wir uns der Menschen in der Dritten Welt „erbarmen" sollen? Wir, vom „hohen Roß", schauen also „barmherzig" auf „die da unten" herab? Auf die, die auf unser Erbarmen angewiesen sind? Und die von Glück sprechen können, wenn sie unser Erbarmen finden? Diese Haltung ist doch, Gott sei Dank, vorbei. Wir wissen: Mission heißt nicht „huldvoll etwas geben", sondern „Sendung"! Und ich bin nicht gesandt zu „armen Negern", sondern ich bin gesandt zu Schwestern und Brüdern!

„Denn sie werden Erbarmen finden!" Ob dieses Wort also gar nicht auf die Menschen in armen Ländern gemünzt ist? Sondern auf die Menschen in unserer „Welt", unserer „Lebenswelt", auf uns? Dass wir erkennen, wieviel Erbarmen wir nötig haben? Erbarmen angesichts unserer Geschichte? Erbarmen angesichts unseres Lebensstils? Erbarmen angesichts unserer Denkweisen? Nein, auch das trifft es wohl nicht! Denn es geht nicht um Vorwürfe oder Schuldzuweisungen. Schon gar nicht in einer Eucharistiefeier. Da geht es um „Danksagung"!

Es geht also weder um „die", noch um „uns". Es geht um das „wir", um alle. Es heißt schließlich „Welt"-Missionssonntag und nicht „Teil"-Weltmissionssonntag! Wir alle haben Erbarmen nötig, und wir alle haben Erbarmen gefunden. Christus hat alle Welt in sein Erbarmen einbezogen. Jeden einzelnen Menschen gleichermaßen. Und das dürfen wir leben. Und davon dürfen wir Zeugnis geben. Und daß aus dem „dürfen" ein „wollen" wird, genau darin möchte uns der Weltmissionssonntag jedes Jahr ermutigen!

Aus der Bibel kennen wir die sieben „Werke der Barmherzigkeit". In unserer St.Antonius-Kirche sind sie in den Fenstern dargestellt: Hungernde speisen; Dürstenden zu trinken geben; Fremde aufnehmen; Nackte bekleiden; Kranke besuchen; Gefangene besuchen; Tote begraben. Missio möchte heute zu „sieben neuen Werken der Barmherzigkeit" anregen!

Das erste dieser „neuen sieben Werke der Barmherzigkeit" heißt: „Du gehörst dazu!"
Du gehörst dazu, auch wenn du vielleicht nicht „in" bist. Auch wenn du dich selber überflüssig fühlst. Auch wenn du nicht mithalten kannst. Für Gott aber bist du kostbar und wertvoll! Und das will auch ich dich spüren lassen: Du gehörst dazu!

Das Schild: „Würde streng verboten!" wird gewechselt zu: „Du gehörst dazu!"

Das zweite: „Ich höre dir zu!"
Ich höre dir zu, auch wenn mich vieles ablenken will. Auch wenn ich gern lieber selbst reden würde. Auch wenn ich selbst „randvoll" bin. Für Gott aber bist du wichtig. Und das sollst du auch für mich sein, und darum höre ich dir zu!

Das Schild: „Unterstützen verboten!" wird gewechselt zu: „Ich höre dir zu!"

Das dritte: „Ich gehe ein Stück mit dir!"
Ich gehe ein Stück mit dir, auch wenn es mich etwas kostet. Auch wenn ich selbst genug Sorgen habe. Auch wenn ich selbst nach dem Weg suchen muß. Gott aber bleibt an deiner Seite. Und das will auch ich dich spüren lassen, und darum gehe ich ein Stück deines Weges mit dir!

Das Schild: „Vorsicht! Nicht zu nahe treten!" wird gewechselt zu: „Ich gehe ein Stück mit dir!"

Das vierte: „Ich rede gut über dich!"
Ich rede gut über dich, auch wenn die anderen dich beschimpfen. Auch wenn es mir schwerfällt nicht mitzumachen. Auch wenn ich deine Fehler kenne. Gott aber achtet deine Würde! Und das will auch ich dich spüren lassen und dein Gutes zur Sprache bringen, und darum rede ich gut über dich!

Das Schild: „Keiner haftet für Ihre Bloßstellung!" wird gewechselt zu: „Ich rede gut über dich!"

Das fünfte: „Ich besuche dich!"
Ich besuche dich, auch wenn ich nur wenig Zeit habe. Auch wenn ich mir einen Ruck geben muß. Auch wenn noch so viel anderes zu tun wäre. Gott aber sucht dich immer auf. Und das will auch ich dich spüren lassen, und darum besuche ich dich.

Das Schild: „Ausgelaugt! Nicht beachten" wird gewechselt zu: „Ich besuche dich"

Das sechste: „Ich teile mit dir!"
Ich teile mit dir, auch wenn ich selbst nicht viel habe. Auch wenn es für mich einen Verzicht bedeutet. Auch wenn ich nicht weiß, wie du reagieren wirst. Gott aber geht deine Not zu Herzen. Und das will auch ich dich spüren lassen, und darum gebe dir etwas von mir.

Das Schild: „Achtung Armut! Ansteckungsgefahr!" wird gewechselt zu: „Ich teile mit dir!"

Du gehörst dazu! Ich höre dir zu! Ich gehe ein Stück mit dir! Ich rede gut über dich! Ich besuche dich! Ich teile mit dir! Und das siebte: „Ich bete für dich!" (Dieses Schild wird am Altar befestigt)
Ich bete für dich, auch wenn dir das vielleicht fremd ist. Auch wenn es mich Mut kostet, es dir zu sagen. Auch wenn du es kaum glauben kannst. Denn Gott hat einen Plan für dein Leben. Und ich bitte ihn und bete für dich, daß du seine Liebe darin erkennen kannst! Amen.

 

Danksagung

Kehrvers: „Lass uns den Weg der Gerechtigkeit gehen; dein Reich komm, Herr; dein Reich komme!"

Du gehörst zu mir!
Ich höre dir zu!
Ich gehe ein Stück mit dir!

Kehrvers: „Lass uns den Weg der Gerechtigkeit gehen; dein Reich komm, Herr; dein Reich komme!"

Ich rede gut über dich!
Ich besuche dich!
Ich teile mit dir!
Ich bete für dich!

Kehrvers: „Lass uns den Weg der Gerechtigkeit gehen; dein Reich komm, Herr; dein Reich komme!"