Warum wir unsere Türen und Räume für Menschen auf der Flucht öffnen
Donnerstag, 10. Dezember 2015

Wenn wir unsere jüdisch-christlichen Wurzeln ernst nehmen, dann können wir gar nicht anders, als die Türen und Räume unserer Pfarrzentren und Kirchen weit zu öffnen für die Menschen, die derzeit aus den Krisen- und Kriegsregionen zu uns kommen.

Heribert Prantl (Mitglied der Chefredaktion der „Süddeutschen Zeitung") formuliert es in seinem kleinen Bändchen „Im Namen der Menschlichkeit: Rettet die Flüchtlinge!" folgendermaßen: „Den Regierungen in Europa...muss man einen mahnenden biblischen Satz ganz obenauf in die Konferenzmappe legen: ‚Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan!' So sagt es Jesus, so steht es beim Evangelisten Matthäus (Mt 25,40). Die Bibel ist ein Flüchtlingsbuch, die Aufnahme von Flüchtlingen ist in biblischen Erfahrungen tief verwurzelt."

Und in der Tat: Das Fluchtmotiv zieht sich wie ein roter Faden durch die biblischen Texte: Abraham flieht vor Hunger nach Kanaan (Gen 12), Moses flieht mit dem Volk Israel vor dem Pharao (Ex 14), der neugeborene Gottessohn Jesus Christus muss mit seinen Eltern vor der Gewalt des Königs Herodes fliehen (Mt 2) und auch die ersten Christen erfahren Verfolgung und Repressionen und werden zerstreut (Apg 9). Die Bibel steckt also voller sogenannter „politischer" und „wirtschaftlicher" Flüchtlinge!

Was können wir in St.Raphael tun?

Viele Menschen engagieren sich bereits nach ihren Möglichkeiten und Fähigkeiten. In einigen Gesprächen der letzten Wochen und Monate wurde deutlich, dass es Berührungsängste gibt und dass es gar nicht so einfach ist, mit Flüchtlingen ins Gespräch zu kommen, weil sie in den Unterkünften in ihrer „eigenen Welt" leben.

Vielleicht kann das ein erster Schritt sein: Begegnungsmöglichkeiten schaffen, damit wir nicht nebeneinander, sondern miteinander leben. So können Berührungsängste abgebaut und eigene Erfahrungen gesammelt werden. Fernab aller Berichte aus den Zeitungen oder dem Fernsehen können die Menschen ihre eigene (Flucht-) Geschichte erzählen und ihren Blick auf ihre Situation in Worte fassen. Genau das soll in den kommenden Monaten in unserem Pastoralen Raum versucht werden:

• Wir wollen über die Situation der Flüchtlinge in unseren Stadtteilen informieren.
• Wir wollen die Türen unserer Pfarrzentren und Kirchen öffnen, um in Kontakt zu kommen.
• Wir wollen in Absprache mit den Unterkünften und Einrichtungen schauen, wo und wie konkrete Hilfe und Unterstützung möglich ist.

Wer Interesse hat, diesen Prozeß mitzugestalten und zu unterstützen, melde sich bitte bei Pastoralreferent Christian Adolf ( Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! Sie müssen JavaScript aktivieren, damit Sie sie sehen können. ).

„Der Fremde, der sich bei euch aufhält, soll euch wie ein Einheimischer gelten und du sollst ihn lieben wie dich selbst, denn ihr seid selbst Fremde in Ägypten gewesen!" (Lev 19,34)