Christmette in St.Godehard und St.Thomas
Donnerstag, 24. Dezember 2015

Von Advent zu Weihnachten

Adventkehrvers: „Gott ist in deiner Mitte; seine Liebe zu dir ist immer neu!"

In der ganzen Adventzeit hat uns dieser Kehrvers begleitet. Der Vers drückt unsere Erwartung und Zuversicht aus. Er faßt zusammen, was uns die Prophetenlesungen der vier Adventsonntage zugesagt haben: Am 1.Adventsonntag war es dieses Wort aus dem Propheten Jeremia: „In jenen Tagen werde ich für David einen gerechten Sproß aufspießen lassen!"

Adventkehrvers: „Gott ist in deiner Mitte; seine Liebe zu dir ist immer neu!"

Am 2.Adventsonntag lasen wir beim Prophet Baruch: „Steh auf Jerusalem, steig auf die Höhe und sieh: Gott führt Israel heim in die Freude!"

Adventkehrvers: „Gott ist in deiner Mitte; seine Liebe zu dir ist immer neu!"

Pastor: Am 3.Adventsonntag hörten wir vom Propheten Zefanja: „Freu dich und frohlocke von ganzem Herzen, Tochter Jerusalem, denn Gott jubelt über dich; er erneuert seine Liebe zu dir!"

Adventkehrvers: „Gott ist in deiner Mitte; seine Liebe zu dir ist immer neu!"

Pastor: Und am 4.Adventsonntag war es schließlich der Prophet Micha: „Aus dir, Bethlehem, wird einer hervorgehen, der über Israel herrschen soll!"

Adventkehrvers: „Gott ist in deiner Mitte; seine Liebe zu dir ist immer neu!"

Feiern wir nun die Erfüllung dieser Weissagungen mit großer Freude und Dankbarkeit!

 

Eröffnungslied:

GL 734 („Heiligste Nacht"

 

Begrüßung

(Standmikrofon) Pastor

„Heiligste Nacht": Mit Weihnachten feiern wir die Erfüllung einer tiefen Sehnsucht, denn Gott kommt in Jesus Christus auf uns zu: Er ist jetzt fleischgeworden in unserer Mitte und erneuert seine Liebe zu uns, wie wir im Advent so oft gesungen haben. Wo wir in diesem Jahr soviel von Vertreibung und Flucht gehört haben, da hören wir an diesem Weihnachten sicherlich besonders aufmerksam, daß Christus das alles selber von Anfang erlebt hat: Seine Geburt als Vertriebener unterwegs in einem Stall und bald darauf die Flucht der ganzen Familie nach Ägypten. Gottes Menschwerdung in diesem Jesus Christus gibt dennoch (und auch deswegen!) aller Welt Hoffnung und Trost. Und darum führe uns und alle Menschen der allmächtige Gott tiefer und tiefer hinein in sein Leben!

 

1.Lesung (Jesaja 9,1-6)

Das Volk, das im Dunkel lebt, sieht ein helles Licht; über denen, die im Land der Finsternis wohnen, strahlt ein Licht auf. Du erregst lauten Jubel und schenkst große Freude. Man freut sich in deiner Nähe, wie man sich freut bei der Ernte, wie man jubelt, wenn Beute verteilt wird. Denn wie am Tag von Midian zerbrichst du das drückende Joch, das Tragholz auf unserer Schulter und den Stock des Treibers. Jeder Stiefel, der dröhnend daherstampft, jeder Mantel, der mit Blut befleckt ist, wird verbrannt, wird ein Fraß des Feuers. Denn uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns geschenkt. Die Herrschaft liegt auf seiner Schulter; man nennt ihn: Wunderbarer Ratgeber, Starker Gott, Vater in Ewigkeit, Fürst des Friedens. Seine Herrschaft ist groß, und der Friede hat kein Ende. Auf dem Thron Davids herrscht er über sein Reich; er festigt und stützt es durch Recht und Gerechtigkeit, jetzt und für alle Zeiten. Der leidenschaftliche Eifer des Herrn der Heere wird das vollbringen.

 

2.Lesung (Tit 2,11-14)

Die Gnade Gottes ist erschienen, um alle Menschen zu retten. Sie erzieht uns dazu, uns von der Gottlosigkeit und den irdischen Begierden loszusagen und besonnen, gerecht und fromm in dieser Welt zu leben, während wir auf die selige Erfüllung unserer Hoffnung warten: auf das Erscheinen der Herrlichkeit unseres großen Gottes und Retters Christus Jesus. Er hat sich für uns hingegeben, um uns von aller Schuld zu erlösen und sich ein reines Volk zu schaffen, das ihm als sein besonderes Eigentum gehört und voll Eifer danach strebt, das Gute zu tun.

 

Evangelium (Lukas 2,1..20)

In jenen Tagen erließ Kaiser Augustus den Befehl, alle Bewohner des Reiches in Steuerlisten einzutragen. Dies geschah zum erstenmal; damals war Quirinius Statthalter von Syrien. Da ging jeder in seine Stadt, um sich eintragen zu lassen. So zog auch Josef von der Stadt Nazaret in Galiläa hinauf nach Judäa in die Stadt Davids, die Betlehem heißt; denn er war aus dem Haus und Geschlecht Davids. Er wollte sich eintragen lassen mit Maria, seiner Verlobten, die ein Kind erwartete. Als sie dort waren, kam für Maria die Zeit ihrer Niederkunft, und sie gebar ihren Sohn, den Erstgeborenen. Sie wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe, weil in der Herberge kein Platz für sie war. In jener Gegend lagerten Hirten auf freiem Feld und hielten Nachtwache bei ihrer Herde. Da trat der Engel des Herrn zu ihnen, und der Glanz des Herrn umstrahlte sie. Sie fürchteten sich sehr, der Engel aber sagte zu ihnen: Fürchtet euch nicht, denn ich verkünde euch eine große Freude, die dem ganzen Volk zuteil werden soll: Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren; er ist der Messias, der Herr. Und das soll euch als Zeichen dienen: Ihr werdet ein Kind finden, das, in Windeln gewickelt, in einer Krippe liegt. Und plötzlich war bei dem Engel ein großes himmlisches Heer, das Gott lobte und sprach: Verherrlicht ist Gott in der Höhe, und auf Erden ist Friede bei den Menschen seiner Gnade. Als die Engel sie verlassen hatten und in den Himmel zurückgekehrt waren, sagten die Hirten zueinander: Kommt, wir gehen nach Betlehem, um das Ereignis zu sehen, das uns der Herr verkünden ließ. So eilten sie hin und fanden Maria und Josef und das Kind, das in der Krippe lag. Als sie es sahen, erzählten sie, was ihnen über dieses Kind gesagt worden war. Und alle, die es hörten, staunten über die Worte der Hirten. Die Hirten kehrten zurück, rühmten Gott und priesen ihn für das, was sie gehört und gesehen hatten; denn alles war so gewesen, wie es ihnen gesagt worden war.

 

Predigt

Sophia war 49 Zentimeter groß und 3000 Gramm schwer. Sophia war das erste Baby, das auf einem Schiff der Bundeswehr während eines Einsatzes im Mittelmeer geboren wurde. Ihre Mutter stammt aus Somalia und war bereits fünf Monate auf der Flucht. Sophia kam am 24.August dieses Jahres zur Welt, also genau vier Monate vor Heiligabend. Ob nun geboren auf der Flucht oder während der unsinnigen Vertreibung im Rahmen einer Volkszählung: Auf neugeborene Kinder nehmen die, die Macht und Gewalt ausüben wollen, keine Rücksicht.

Seit Jahren brennt in unseren Kirchen zu Weihnachten des „Friedenslicht aus Bethlehem". Angezündet in der Geburtskirche in Bethlehem wird dieses Licht weltweit verteilt, um überall die Botschaft ins Herz zu brennen, daß Gott nicht auf Macht und Gewalt aus ist, sondern in seiner Menschwerdung in Jesus Christus Friede gemacht hat! Bis heute haftet Weihnachten der Zauber an, ein besonderes Friedensfest zu sein und Trennendes überwinden zu können.

Wenn Sie aber heute zu Weihnachten im Fernsehen Bilder von Bethlehem sehen, dann erkennen Sie direkt hinter der Geburtskirche eine erschreckende, knapp zwanzig Meter hohe Betonmauer. Vor Jahren hat sie Israel entlang der gesamten Grenze zu Palästina gebaut, angeblich um Israel vor Angriffen zu schützen und Frieden zu schaffen. Mit dem Bau dieser Mauer wurde aber vor allem Land annektiert und Verbindungswege unterbrochen: Nachbarschaften und Familien wurden getrennt und Bauern gelangen nicht mehr zu ihren Feldern. Eine erdrückende und bedrückende Betonmauer mitten durch den Ort, von dem einmal die Sehnsucht ausging, alles Trennende zu überwinden: Ob nun die Mauer zwischen Gott und den Menschen oder der die Mauern zwischen Menschen oder Völkern. Die Betonmauer von Bethlehem spiegelt sowohl die politische Wirklichkeit von heute als auch zur Zeit Jesu: Nur hieß es damals nicht Israelis und Palästinenser, damals hieß es Römer und Juden. Aber dann wird da einer in Bethlehem geboren, und der wird ganz entschieden (und entscheidend) gegen solche Mauern klopfen! Lächerlich, sagen dazu die einen, das haben doch nur Engel gesungen, und wer hält schon mau-erstürzende Engel für wahr? Lächerlich, sagen andere, und wenn schon: Es ist ja nur ein Baby, ganz ohne jegliche Macht! Lächerlich, sagen noch andere, eine Herberge findet der doch nur bei „Ochsen" und „Eseln", und das ist bis heute das Urteil Vieler geblieben! Aber sie haben ihre Rechnung ohne den Wirt gemacht, ohne den „neuen Wirt" der „neuen Herberge": Gott klopft nie vergeblich gegen eine Mauer, sein Klopfen hatte und hat Folgen! Gott und der Mensch findet wieder zusammen, und zwar genau so wie ER es schon immer gewollt hat. Und wie ER es immer gewollt hat, lesen wir auf der allerersten Seite der Bibel: „Gott schuf den Menschen nach seinem Bild!" Gottes Handeln in seiner Menschwerdung in Jesus Christus stellt diese ursprüngliche Beziehung wieder her! Denn weil ER will, daß sich SEIN Gesicht im menschlichen Antlitz widerspiegelt, fängt ER genau damit noch einmal ganz von vorn an, eben in einem Säugling.

Hochschwangere Frauen sind unterwegs, ob von Nazareth nach Bethlehem, ob von Somalia nach Europa. Geburten ereignen sich an ungewöhnlichen Orten, ob in einem Stall oder auf einem Schiff der Bundeswehr. Doch die Freude über das Wunder des Lebens angesichts des Wunders von Zukunft und Frieden wie es sich im Antlitz eines neugeborenen Kindes (selbst inmitten aller Bedrohung) einstellt, wird verbreitet: Von Engel am Himmel, von Weisen aus dem Morgenland, von Journalisten aus dem Abendland. Und ihre Botschaft ist es wert, verbreitet zu werden, das sagen allein schon die Namen der beiden Kinder: Denn das eine Kind heißt „Jesus" (hebräisch „Gott rettet") und das andere „Sophia" (griechisch: „Weisheit"). Gottes Weisheit ist unsere Rettung, so fassen auf glückliche Weise die Namen dieser beiden Kinder die große Botschaft dieser Nacht auf kürzeste Weise zusammen!

Was aber wird aus dieser Botschaft (symbolisiert im „Friedenslicht von Bethlehem"), wenn Menschen neue Mauern bauen, ob aus Beton oder aus Grenzzäunen oder aus den Wogen des Mittelmeeres? Wußten Sie, daß der hebräische Ortsname „Bethlehem" auf deutsch „Haus des Brotes" heißt? „Haus des Brotes" und nicht: „Stadt der Mauern": Was für ein Segen und was für ein Friede! Bis heute! Mögen noch heute viele Bethlehems entstehen, hoffentlich auch für Sophia und alle, die ihr noch folgen werden! Amen.

(mit Impulsen von der Weihnachtskarte von Propst Schomaker)

 

Fürbitten

An Weihnachten wird es besonders deutlich: Der Himmel liebt die Erde! Wir beten, daß die Freude dieses Festes die Herzen aller Menschen mit großer Dankbarkeit erfüllt! Gott, unser Vater...

Zu Weihnachten verkündeten Engel den Frieden. Wir beten, daß im kommenden Jahr mehr Völker Frieden erleben dürfen als es in diesem der Fall gewesen ist! Gott, unser Vater...

Am Weihnachtsfest ist Alleinsein noch viel schwerer zu ertragen als es auch sonst schon ist. Wir beten für alle, die zurückgezogen leben, daß auch sie von
der Hoffnung und dem Zauber dieser Tage angerührt werden! Gott, unser Vater...

Zu Weihnachten besuchen sich viele Menschen. Wir beten für alle Familien um schöne Begegnungen, und für alle Reisenden um eine sichere Rückkehr! Gott, unser Vater...