Ökumenischer Gottesdienst am Pfingstmontag 2015
Montag, 25. Mai 2015

Musik zu Beginn

Eingangslied (EGB 131)
„O heiliger Geist, o heiliger Gott"

Begrüßung, Einführung und Gebet (Pastoralreferent Memering)

Psalm 8 (Pastorin Kuepper-Lösken und Gemeinde)

Adonai, du herrschst über uns alle, wie machtvoll ist dein Name auf der ganzen Erde. So breite doch deine Majestät aus über den Himmel. Aus dem Mund von Kindern und Säuglingen hast du eine Macht geschaffen gegen alle, die dich bedrängen, auf dass Feindschaft und Rache verstummen. Ja, ich betrachte deinen Himmel, die Werke deiner Finger: Mond und Sterne, die du befestigt hast. Was sind die Menschen, dass du an sie denkst, ein Menschenkind, dass du nach ihm siehst? Wenig geringer als Gott läßt du sie sein, mit Würde und Glanz krönst du sie. Du lässt sie walten über die Werke deiner Hände. Alles hast du unter ihre Füße gelegt: Schafe, Rinder, sie alle, und auch die wilden Tiere, Vögel des Himmels und Fische des Meeres, alles, was die Pfade der Meere durchzieht. Adonai, du herrschst über uns alle. Wie machtvoll ist dein Name auf der ganzen Erde.

Halleluja mit Vers (Chor und Gemeinde)

Apostelgeschichte 2,1-11 (Pastor With)

Als der Pfingsttag gekommen war, befanden sich alle am gleichen Ort. Da kam plötzlich vom Himmel her ein Brausen, wie wenn ein heftiger Sturm daher fährt, und erfüllte das ganze Haus, in dem sie waren. Und es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer, die sich verteilten; auf jeden von ihnen ließ sich eine nieder. Alle wurden mit dem Heiligen Geist erfüllt und begannen, in fremden Sprachen zu reden, wie es der Geist ihnen eingab. In Jerusalem aber wohnten Juden, fromme Männer aus allen Völkern unter dem Himmel. Als sich das Getöse erhob, strömte die Menge zusammen und war ganz bestürzt; denn jeder hörte sie in seiner Sprache reden. Sie gerieten außer sich vor Staunen und sagten: Sind das nicht alles Galiläer, die hier reden? Wieso kann sie jeder von uns in seiner Muttersprache hören: Parther, Meder und Elamiter, Bewohner von Mesopotamien, Judäa und Kappadozien, von Pontus und der Provinz Asien, von Phrygien und Pamphylien, von Ägypten und dem Gebiet Libyens nach Zyrene hin, auch die Römer, die sich hier aufhalten, Juden und Proselyten, Kreter und Araber, wir hören sie in unseren Sprachen Gottes große Taten verkünden.

Halleluja (Chor und Gemeinde)

Ansprache (1+3: Pastor Dau; 2: Pastor Kuschnerus)

1. „Geist - voller - Respekt": Unter diesem Wort feiern wir heute am Pfingstmontag unseren Ökumenischen Gottesdienst. Es ist unsere Einladung, sich diesem Wort zu stellen: „Geist voller Respekt". In diesem Wort steckt ein großer Anspruch, denn das ist schon eine Aufgabe, ein Geist „voller" Respekt. Aber zuvor und noch weitaus mehr dürfen wir aus diesem Wort einen ermutigenden Zuspruch heraushören, denn was anderes als ein einziges Geschenk (und zwar für alle) ist denn ein Geist „voller" Respekt?

„Geist voller Respekt": Das mit dem „Geist" ist uns heute am Pfingstfest verständlich, denn auf den „Geist" konzentrieren wir uns an jedem Pfingstfest in besonderer Weise. Schon deshalb haben wir ja gerade auch noch einmal den biblischen „Pfingstbericht" gehört. Der Geist Gottes kam damals auf die Jünger (und kommt bis heute auf jeden, der glaubt) herab, und erfüllt sie und uns. Aber das mit dem „Respekt" ist sicherlich unerwartet, jedenfalls ungewohnt. Unsere Hörgewohnheiten sind andere: Was wir kennen wäre beispielsweise: „Geist voller Liebe" oder „Geist voller Kraft" oder „Geist voller Weisheit". Aber: „Geist voller Respekt"? Ich möchte Sie schon jetzt auf das Wortspiel aufmerksam machen, das in unserer Formulierung steckt: „Geist voller Respekt" kann heißen, dass Gottes Geist voller Respekt ist, und also Gottes Geist uns respektiert. Es kann aber genauso gut heißen, dass jeder menschliche Respekt ein „geistvoller Respekt" sein möge, also kein plumper, äußerlicher, vielleicht sogar befohlener, sondern ein überlegter und von Herzen kommender. Aber das ist das Zweite.

Bleiben wir bei dem Ersten: Gottes Geist ist voller Respekt. Respekt wovor? Jetzt wird es überraschend! Unser deutsches Wort „Respekt" leitet sich direkt ab vom lateinischen Wort „respicere". Und „respicere" heißt wörtlich übersetzt nicht „achten" oder „ehren", sondern „zurückschauen", „sich umblicken", „hinter sich sehen". Und erst im übertragenen Sinn von „zurückschauen" dann auch „sich erinnern" und „Rücksicht nehmen". Aber ursprünglich eben „zurückschauen". Respekt ist also nicht wie wir heute in der Regel meinen etwas, was ein Untergebener einem Höhergestellten zu erweisen hat. Im Gegenteil: Jemand, der in irgendeiner Weise „vorne" ist, schaut sich um zu jemand, der in irgendeiner Weise „nach" ihm kommt. Ein Vorderer, ein Erster, ein Größerer, ein Mächtigerer dreht sich um zu einem, der ein Zweiter, ein Kleinerer, ein Benachteiligter, ein lange-nach-ihm-Kommender ist. Er wendet sich ihm zu, unaufgefordert, aus eigenem Antrieb, auch wenn das Umdrehen Mühe machen sollte. Er will ganz bewußt einen, der hinter" ihm ist „an--sehen": Das heißt „Respekt"!

Respekt ist also nichts, was einem zusteht und selbstverständlich entgegenbracht zu werden hat. Respekt kann vielmehr immer nur geschenkt werden, nämlich von einem, der (in welcher Weise auch immer) „voraus" ist und der „zurückblickt", „sich erinnert", „hinter sich sieht" und sich „zuwendet". Darum haben wir für diesen Gottesdienst auch diese Verse aus Psalm 8 ausgesucht: „Was sind die Menschen, dass du an sie denkst / ein Menschenkind, dass du nach ihm siehst?" Gerade diese Formulierung der „Bibelübersetzung in gerechter Sprache" lässt mit ihrer Pluralform („Was sind die Menschen...") heraushören, dass Gott wirklich alle sieht, die „hinter" ihm sind: Männer und Frauen, Kluge und Einfache, Menschen mit Einschränkungen und Menschen ohne Einschränkungen. In der „Zuwendung" liegt die Würde! Sowohl meine, nach dem geschaut wird, als auch diejenige dessen, der mir Respekt schenkt. Was für ein Respekt, von dem Gottes Geist voll ist: Dass Gott sich an sein Geschöpf erinnert, dass er sich die Mühe macht, zu ihm zurückzuschauen und sich zuwendet.


2. „Was sind die Menschen, dass du an sie denkst, ein Menschenkind, dass du nach ihm siehst?" Staunend fragt der Beter oder die Beterin des Psalms. Wie mit offenen Augen und offenem Mund betrachtet er oder sie den weiten Himmel und die schier unendliche Zahl der Sterne. Wie klein sind wir Menschen in dieser großen Welt! Wie ausgeliefert sind wir ihren Gesetzen und ihren Kräften! Wie unendlich winzig gegenüber dem Gott, der dieses alles geschaffen hat! Und dieser gewaltigen Schöpfungsmacht soll der Mensch irgend etwas bedeuten?

Beachtung, Respekt, Ansehen, Zuwendung: Vielleicht gehört das zu unseren wichtigsten Bedürfnissen. Schon als Kinder wollten wir gesehen werden. „Guck mal, was ich schon kann", rufen die Kinder. Und sie wollen dann nicht nur ein Lob oder eine Bewertung. Kinder möchten, dass die Eltern sie wahrnehmen. Sie möchten von ihren Lehrerinnen und Lehrern und ihren Freundinnen und Freunden beachtet werden. Mit allem, was sie schon können. Mit allen Möglichkeiten, die ihn ihnen stecken. Achtung und Respekt hilft den Kleinen, sich zu entfalten. Wie schlimm, wenn ein Kind nicht gesehen wird! Wie schlimm, wenn ein Mensch keine Beachtung findet! Aufmerksamkeit ist nicht nur Kindern wichtig. Das merke ich schon daran, wenn jemand mich grüßt. Verweigert mir jemand den Gruß, versetzt es mir einen Stich. Wie schlimm ist es erst, wenn jemand sein Ansehen und sein Gesicht verliert, die Achtung der Anderen und die Selbstachtung. Wie kann ich hingegen frei aufatmen, wenn ich erfahre, ich bin gemeint. Wenn ich erlebe, daß mir jemand sein Augenmerk schenkt und mich im Blick hat. Wenn ich jemandem etwas bedeute. Gott sieht die Menschen an, respektiert sie. Gott erinnert sich, viel vollkommener als wir uns selbst erinnern. Gott sieht selbst in mein Herz.

Aber gibt es nicht auch das: An manches möchte ich mich nicht so gerne erinnern. Was ich falsch gemacht und versäumt habe. Das, was ich verschuldet habe, an mir und anderen. Manche peinliche oder peinvolle Situationen: Das kann ruhig in der Schublade des Vergessens verschwinden. Daran möchte ich auch nicht gerne von anderen erinnert werden. Gott erinnert sich. Doch Gott sieht mich liebevoll an. Voller Vergebung. Das ist der Geist, in dem er an mich denkt. Er sieht mich an, mit meinen Vorzügen und auch mit meinen Fehlern, mit meinen Ecken und Kanten. Auch mit meiner Schuld. Und dennoch: Ich muss nicht vor Scham vergehen. Bei ihm kann selbst das angesehen werden! Und so nur kann es heilen. Ich kann mich davon lösen lassen. Ich kann neu anfangen. Wenn ich das erfahre, wird mein Herz weiter. Ich selbst werde aufmerksamer. Ich sehe meine Welt bewußter. Und es fällt mir leichter, auch die anderen Menschen zu achten. Ich kann ihre Vorzüge entdecken und mich freuen. Mein Interesse an ihnen kann wachsen. Ich nehme mehr Anteil an ihrer Weise, die Welt zu sehen, an ihren Freuden und an dem, was sie betrübt. Was uns unterscheidet, kann ich besser respektieren. Was mich stört, kann ich geduldiger wahrnehmen. Vielleicht liegt ja auch die Störung in mir! Kurz gesagt: Mein Respekt wird geistvoller.

Der Beter und die Beterin des Psalms drücken die Erfahrung ihres Glaubens aus: Du bist nicht nur ein winziges Staubkörnchen im Weltall. Du bist nicht gleichgültig, nicht ein Produkt des Zufalls, einer Laune der Natur. Gott gedenkt deiner. Die Macht, die die ganze Welt erhält und trägt, sie beachtet dich. Du bist gesehen und gewollt! Und nicht nur du allein. Ebenso der Mensch neben dir, der Mann, die Frau, das Kind. Sie sind von Gott geachtet, respektiert, angesehen. Ganz gleich, wer du bist, woher du kommst, wo du dich auf deiner Lebensreise befindest: Du wirst von Gott beachtet. Gott gedenkt deiner. Auch dann noch, wenn andere dich vergessen haben. Auch dann, wenn dein eigenes Gedächtnis schwach wird und du deine Erinnerung verlierst. Selbst dann noch, wenn du dich selbst vergisst. Wunderbar, dieser aufmerksame, respektvolle Geist: Er achtet selbst das Kleinste! Wenn ich die Welt und die Menschen neben mir mit diesem - gläubigen - Staunen betrachte: Was geschieht dann mit mir?


3. Was sind die Menschen, daß du an sie denkst? Dazu haben wir jetzt schon viel gehört. Bei dem Wort „Was ist der Mensch?" fällt mir das Wort des Pilatus ein, das er spricht, als er den geschundenen Jesus herausführen und dem Volk präsentieren läßt: „Seht, das ist der Mensch!" Darin sehe ich Gottes Antwort auf unsere Frage, was der Mensch ist, daß er an ihn denkt: „Sein" Mensch schaut eben nicht zurück auf Große und Mächtige. Er blickt sich nicht um zu denen, die urteilen und hinrichten. Er schaut nicht hinter sich, um die zu sehen, die sich selber ehren und ehren lassen wollen. Sie haben bei ihm kein Ansehen. Nach ihnen dreht er sich nicht um. Ihnen wendet er sich nicht zu.

Der Mensch, der vor Gott Respekt hat und vor dem Gott Respekt hat, ist der Mensch, der nicht nur nach dem Schöpfungswort sein „Ebenbild" ist, sondern in dem er darüber hinaus das Antlitz seines Sohnes erkennt: Also der Mensch, der sich nach jedem Geringen umsieht. Der die Leidenden und Fremden hinter sich sieht. Der sich dem Angsterfüllten und Entfremdeten zuwendet. Der also ansieht und nicht wegsieht. Und der in diesem „an--sehen" Ansehen bewirkt. In solchen Menschen wird Gottes „Geist voller Respekt" erlebbar, bis heute! Möge das alles mit mir und uns geschehen! Denken wir dabei daran, daß Pfingsten im englischen „Whitsun(day)", wörtlich „Zeugensonntag" heißt: Nicht allein Gottes Geist ist voller Respekt, ebenso unser, die wir dessen Zeugen sein dürfen, und der deutlich wird in jeder respektvollen Zuwendung zum „Geringsten seiner Schwestern und Brüder". Amen.


Lied zum Glaubensbekenntnis
„Credo, credo, credo in unum Dominum" und Strophen (Chor und Gemeinde)

Kollektenansage (Pastorin Kuepper-Loesken)
Die Kollekte geht an den Verein „refugio"

Lied während der Kollekte (EGB 416)
„O Herr, mach mich zu einem Werkzeug deines Friedens"

Fürbitten (Pastor Tiessen)

Vaterunser (Pastor Tiessen)

Lied (GL 82)
„Behutsam, leise nimmst du fort die Dämmerung der Erde" (Chor und Gemeinde)

Segen (Pastoralreferent Memering)

Schlußlied (GL 487 / EGB 265)