Ansprache zur Familie-Reinhold-Petrausch-Stiftung beim Eine-Welt-Sonntag
Sonntag, 20. Oktober 2013

Beim jährlichen Eine-Welt-Sonntag stellen sich die fünf Hilfsprojekte unseres Pastoralen Raumes mit ihren zurückliegenden Aktivitäten vor. Unsere fünf Hilfsprojekte sind: Unterstützung der Katholischen Kirchengemeinde San Christobal in Lima (Peru), Ökumenisches Kinder- und Jugendprojekt Nenyo Haborbor in Ho (Ghana), Unterstützung einer Katholischen Schule in Ka Philip (Haiti), Straßenmütterprojekt in Ostafrika (über Misereor) und die Familie-Reinhold-Petrausch-Stiftung für medizinische Hilfe in Afrika; dazu kommt durch den Malteser-Hilfsdienst ein Hilfsprojekt für Litauen.

Die Ansprache bzgl. der Familie-Reinhold-Petrausch-Stiftung in St.Thomas gehalten wurde, wird im folgenden dokumentiert.

Lesung: Exodus 17,8-13 (Mose wird von Aaron und Hur gestützt)
Evangelium: Lukas 18,1-8 (Das Gleichnis von der armen Witwe und dem gottlosen Richter)


Liebe Gemeinde!

Jesus verbindet die Frage nach dem Glauben mit der Einstellung zur Gerechtigkeit und der Überzeugung, jedem Menschen zu seinem Recht zu verhelfen: „Wird jedoch der Menschensohn, wenn er kommt, auf der Erde noch Glauben vorfinden?" Das ist die Frage zu dem Gleichnis von der Witwe und dem gottlosen Richter. Witwen waren in der Zeit Jesu nicht viel wert. Und ausgerechnet eine Witwe traut sich und fordert nachdrücklich von diesem Richter: „Verschaff mir Recht gegen meinen Feind". Dies tut sie so überzeugend, dass der Richter erkennt, dass sie ihn nicht in Ruhe lassen wird, ja, ihn vielleicht noch ins Gesicht schlagen wird - welche Ungeheuerlichkeit - wenn er ihr nicht zu ihrem Recht verhilft.

Nicht die Einsicht des Richters, nicht die Unterstützung Anderer helfen ihr, sondern ihr eigener unerschütterlicher Glaube, dass das Recht auch ihr zusteht und kein Privileg von Reichtum, Ansehen und Macht ist. Diesen Glauben setzt sie in die Tat um; dem fortwährenden Begehren nach Recht.
Gott ist auf ihrer Seite, der Seite derer, die um ihr Recht ringen und kämpfen müssen und er wird nicht zögern, zu helfen, auch wenn seine Hilfe nicht immer in der Form geschieht, wie wir sie uns vorstellen und erwarten.

Entscheidend ist, dass wir nicht nachlassen mit unserem Einsatz, der sich auf unseren Glauben begründet. In der ersten Lesung aus dem Buch Exodus wird uns vor Augen geführt, wie wichtig es ist, auch müde und erschlaffte Arme nicht sinken zu lassen, damit das Lebensfeindliche, ja das Unrechtmäßige nicht übermächtig wird und uns besiegt. Aaron und Hur stützen Mose, bis der Kampf gegen die Amalekiter gewonnen ist. Wie Aaron und Hur sollen wir Beistand leisten, denen, die um ihr Recht auf gerechte Verteilung, ob das Lebensmittel, Kleidung, Medikamente, Land, Freiheit, Bildung oder anderes Notwendiges ist, ringen.

Mit den verschiedenen Hilfsprojekten unserer Gemeinde leisten wir solche Unterstützung. Dazu darf ich ihnen heute die Familie-Reinhold-Petrausch-Stiftung vorstellen, die medizinische Hilfe für Afrika leistet.

Im September 2004 stifteten zwei Gemeindemitglieder das Grundkapital für eine Stiftung, der Familie-Reinhold-Petrausch-Stiftung, deren ausschließlicher Zweck die finanzielle Förderung von Einrichtungen des Gesundheitswesens in Afrika ist. Sie ist eine kirchliche Stiftung, die als Sondervermögen der Kirchengemeinde verwaltet und von einem 3-köpfigen Kuratorium geleitet wird. Die kirchenobere Aufsicht obliegt dem Generalvikariat in Osnabrück. Die Stiftung ist als gemeinnützig anerkannt und kann Spendenquittungen ausstellen. Spenden können entweder direkt in die Mittelverwendung fließen oder auch als Aufstockung des Stiftungskapitals angelegt werden. Bislang konnten wir das Stiftungskapital bereits auf 55.000 Euro erhöhen und aus den Zinsen des Stiftungskapitals zuzüglich der eingehenden Spenden für Mittelverwendung insgesamt 17.400 Euro über Misereor für Hilfe in Afrika verwenden!

Die Empfängerprojekte suchen wir uns aus den Vorschlägen von Misereor aus und können so sicher sein, dass die Mittelverwendung über Misereor ohne Abzug beim Empfänger ankommt und die Verwendung kontrolliert wird.

Unsere Stiftung will Hilfe zur Selbsthilfe sein:

• In den Jahren 2005 haben wir durch Wiederanlage des Kapitalzinses sowie Spenden anlässlich eines Todesfalles erste Gelder angesammelt.
• Mit unseren Hilfen haben wir 2006 angefangen und die Ausbildung von zwei Labortechnikern in Höhe von 1500,00 Euro am Kibara-Hospital in Tansania finanziert.
• Im Jahre 2007 gingen 1.450,00 Euro ebenfalls an dieses Hospital zur Ausbildung einer Hebamme. Im Dezember erreichten uns die erste Mail und Fotos von dort. Es ist das einzige Krankenhaus für 150.000 Menschen auf dem Lande dort.
• Im Jahre 2008 finanzierten wir für eben dieses Kibara-Hospital dann noch mit 2150 Euro die Ausbildung einer weiteren Hebamme und eines Radiologen.
• 2009 beteiligten wir uns mit 3500 Euro an der Finanzierung eines Krankenhausfahrzeuges in Kitale in Kenia, damit die kleinen Gesundheitseinrichtungen auf dem Lande versorgt werden können.
• 2010 musste im katholischen Krankenhaus in Oshikuku in Namibia dringend das Röntgengerät repariert werden. Wir beteiligten uns mit 2.500 Euro.
• 2011 haben wir uns an dem großen Projekt in Ruanda mit 2800 Euro beteiligt. Dort muss dringend das baufällige Gesundheitszentrum in Kibeho mit Ambulanz, Entbindungsstation, Ernährungszentrum und allen dazugehörigen Nebeneinrichtungen neu erstellt werden. Unsere Hilfe ist da leider nur ein Tropfen auf dem heißen Stein.

Auch dieses Jahr werden wir in unserer Sitzung am 25. Oktober ein neues Projekt aussuchen und unterstützen. Aus dem letzten Jahr stehen uns 3500 Euro zur Verfügung und auch für dieses Jahr hoffen wir auf einen ähnlichen Betrag für die Mittelverwendung.

Ein weiterer Beitrag für Recht und Gerechtigkeit sind die Eine-Welt-Läden, die den Fairen Handel unterstützen und deren Produkte ich ihnen ans Herz legen möchte. Die Erlöse aus den Verkäufen fließen ebenfalls in die Projekte, die in St. Raphael gefördert werden.

Nun bleibt mir nur noch mit Paulus Worten zu sagen: „Verkünde das Wort, tritt dafür ein, ob man es hören will oder nicht; weise zurecht, tadle, ermahne, in unermüdlicher und geduldiger Belehrung." Denn über unseren Glauben, über das Recht, die Gerechtigkeit und unsere Unterstützung für die Benachteiligten zu reden, ist auch Verkündigung. Wer hören will, der höre!


Edeltraut Lange-Mock
Ansprache in St.Thomas am Sonntag, 20.Oktober