Ökumenische Erklärung der Evangelischen und Katholischen Kirchengemeinden im Bremer Osten zur Aufnahme von Flüchtlingen
Montag, 07. Oktober 2013

„Du sollst einen fremden Untertan, der vor seinem Herrn bei dir Schutz sucht, seinem Herrn nicht ausliefern. Bei dir soll er wohnen dürfen, in deiner Mitte, in einem Ort, den er sich in einem deiner Stadtbereiche auswählt, wo es ihm gefällt. Du sollst ihn nicht ausbeuten." (Deuteronomium 23,116-17)

Heute stehen wir in unserer Stadt vor Herausforderungen, für die dieser Vers eine Orientierungshilfe darstellt.

Flüchtlinge aus Kriegsgebieten und unterdrückte Minderheiten suchen Schutz. Laut der Organisation „Pro Asyl" sind weltweit 16.400.000 Menschen außerhalb ihres Heimatlandes auf der Flucht. Nur ein geringer Teil von ihnen erreicht nach oftmals dramatischen Wochen der Ungewissheit Europa. Im Jahr 2012 stellten 300.000 Menschen einen Asylantrag in einem EU-Staat. Einige kommen nach Deutschland. Gemäß eines bundesweiten Verteilungsschlüssels wird Bremen 0,93% der Flüchtlinge aufnehmen; konkret sind dem Land Bremen in diesem Jahr bis Mitte Oktober 794 Menschen zugewiesen worden. Die unterzeichnenden Kirchengemeinden des Bremer Ostens wollen vor ihrer Not die Augen nicht verschließen. Wir heißen ankommende Flüchtlinge bei uns willkommen, empfangen sie mit offenen Armen und hoffen, dass sie in unserer Mitte den notwendigen Schutz finden können.

Viele Menschen aus unseren Gemeinden kennen aus der eigenen Erfahrung oder der Geschichte ihrer Familien Flucht und Vertreibung. Sie wissen, was der Verlust von Heimat bedeutet.

Wir begrüßen, dass sich Politik und Behörden für eine menschenwürdige Aufnahme der Flüchtlinge in Bremen einsetzen und bestärken sie, die notwendigen Ressourcen zur Verfügung zu stellen.

Aus unserem christlichen Glauben heraus sehen wir die Welt als Schöpfung Gottes an, die uns Menschen als Ebenbilder und „Kinder Gottes" anvertraut ist. Dies anlasst uns zu weltweitem solidarischen Handeln. Unsere Kirchen und Gemeinden versuchen in Partnerschaften und Hilfsprojekten die Lebensbedingungen an zahlreichen Orten in der Welt zu verbessern.

Wir begrüßen die Aufnahme von Flüchtlingen in unseren Stadtteilen und wollen unseren Beitrag für eine angemessene Unterstützung leisten. Deshalb bringen wir uns in den „Runden Tischen" vor Ort ein, und stehen nach unseren Möglichkeiten sowie den jeweiligen Erfordernissen für Hilfsangebote bereit.

Wir bitten auch die Bürgerinnen und Bürger in unseren Stadtteilen, Flüchtlinge freundlichen aufzunehmen, Vorurteilen entgegen zu wirken und, wenn es möglich ist, zu helfen.

Die Evangelischen Gemeinden des Bremer Ostens sowie die Katholische Kirchengemeinde St.Raphael

Bremen, im Oktober 2013