Leitbild St. Raphael

Als Gemeinde haben wir den Auftrag, das Zeugnis Jesu Christi, wie es uns in den biblischen Schriften und in der kirchlichen Tradition überliefert ist, lebendig zu halten.

Das geht nur in konkreten Lebenszusammenhängen. Auf unserem Gemeindegebiet im Bremer Osten leben Christen verschiedener Konfessionen nebeneinander, zusammen mit Juden, Muslimen und Angehörigen anderer Religionen sowie Menschen, die sich zu keiner Religion bekennen. Freude und Hoffnung, Leid und Trauer all dieser Menschen sind auch immer Freude und Hoffnung, Leid und Trauer der Pfarrgemeinde. Wir sind überzeugt, dass unser Glaube die Quelle für ein gelingendes Leben ist. Deshalb wollen wir unseren Glauben auch im Alltag erfahrbar machen.

Mit den folgenden Leitsätzen, die wir mit und in der Gemeinde diskutiert haben, beschreiben wir, was uns in der Gemeinde wichtig ist und woran wir unser Handeln orientieren wollen. Vieles ist schon umgesetzt, anderes muss im Sinne einer Selbstverpflichtung noch wachsen. Menschen, die mit uns leben, glauben und arbeiten, sollen verlässlich wissen, wofür die Gemeinde St. Raphael steht. Das Leitbild soll in Zukunft von jedem neu gewählten Pfarrgemeinderat überprüft und gegebenenfalls weiter entwickelt werden.

Für uns sind die biblischen Schriften und die kirchliche Tradition Grundlage und zugleich Herausforderung

• Wir glauben an den Gott Jesu Christi. Diesen Glauben feiern und bezeugen wir in unseren Gottesdiensten. Die Vorbereitung der verschiedenen Gottesdienstformen geschieht mit großer Sorgfalt und hohem Einsatz der verantwortlichen Personen und Gruppen.

• Wir nehmen die Erfahrungen früherer und heutiger Glaubenszeugen und den Erfahrungsschatz der katholischen Kirche ernst. Diese Erfahrungen versuchen wir so auf unsere Lebenswirklichkeit hin zu übersetzen, dass sie Menschen auf der Suche nach Antworten auf ihre Lebensfragen eine Hilfe sind.

• Beides, das Hören auf Früheres und das Weiterentwickeln für uns Menschen heute, braucht Zeit, Engagement und Weiterbildung.

Wir gestalten Kirche als einen Pastoralen Raum

• Zu St. Raphael gehören die fünf katholischen Kirchen St. Antonius, St. Godehard, St. Hedwig, St. Laurentius und St. Thomas und sechs katholische Einrichtungen anderer Träger: Das Säkularinstitut St. Bonifatius, das Caritas-Altenpflegeheim St. Laurentius mit dem Konvent der Marthaschwestern, die Krankenhausseelsorge im Klinikum Bremen Ost, die Kindertagesstätten St. Hedwig und St. Thomas und die St.-Antonius-Schule. Die Verantwortlichen dieser Einrichtungen arbeiten in der Kirchengemeinde mit.

• Die Vernetzung von Einrichtungen und Kirchenzentren belebt und bereichert das Gemeindeleben.

• In dieser Vernetzung soll die lokale Vertrautheit aufrecht erhalten werden. Deshalb benennen wir an allen Orten Ansprechpersonen, die in konkreten Situationen weiter helfen und Anfragen ernst nehmen.

• Seelsorge und engagierte Glaubensweitergabe findet an allen Orten statt, teilweise mit ganz bestimmten Zielgruppen (z.B. Kinder, Kranke, Trostsuchende, Senior/innen).

• In den Einrichtungen für Kinder werden immer auch die Familien angesprochen und durch bestimmte Aktivitäten in das Gemeindeleben einbezogen (z.B. Teilnahme an Familiengottesdiensten, Mitgestaltung von Sommerfesten).

Wir erleben Vielfalt als Bereicherung und Ermutigung

• In unserer Gemeinde leben Menschen unterschiedlicher Nationalität, in unterschiedlichen sozialen Verhältnissen und mit unterschiedlichen Lebenshintergründen. Sie alle ermutigen wir, ihr Leben aus dem Glauben zu gestalten.

• Jede und jeder wird bei uns in seiner Einzigartigkeit und persönlichen Lebenssituationen ernst genommen.

• Wir stellen unsere Gottesdiensträume für Gebet und Gottesdienste in anderen Sprachen zur Verfügung.

• Wir begrüßen es, dass die Mitglieder der „Stadtgemeinde Johannes XXIII.“ und das „Liturgie Forum Lehrhaus“ ihre Gottesdienste in der Kirche St. Laurentius feiern.

 

Die Lebendigkeit unserer Gemeinde zeichnet sich dadurch aus, dass viele Menschen Verantwortung übernehmen und ihre Talente einbringen können

• In unserer Gemeinde arbeiten Haupt- und Ehrenamtliche sehr eng zusammen. Die jeweiligen Kompetenzen und Begabungen werden anerkannt und für die Gestaltung des Gemeindeleben fruchtbar gemacht.

• Viele Menschen engagieren sich in den gewählten Gremien Pfarrgemeinderat und Kirchenvorstand, gestalten z.B. als Chormitglieder oder Lektor Gottesdienste mit und verrichten verläßlich Dienste etwa im Besuchsdienst der Caritaskreise. Sie geben ihr Talent in die Gemeinschaft ein, und erleben im Austausch mit anderen, wie wertvoll ihre Dienste für andere und sie selber sind.

• Wir befürworten es, dass Frauen verantwortlich in Liturgie und Verkündigung tätig sind. Einen solchen Einsatz praktizieren wir z.B. mit Leiterinnen von Wortgottesfeiern, Katechetinnen und im Beerdigungsdienst.

 

Wir bieten Orte, an denen Menschen sich wohlfühlen und an denen sie gerne verweilen

• Durch einen respektvollen, wertschätzenden Umgang miteinander bemühen wir uns um eine einladende Atmosphäre, in der es möglich ist, Vertrauen zu wagen und Ängste und Zweifel auszusprechen.

• Wir bieten den Menschen ein Zuhause und setzen uns für sie auch und gerade in schwierigen Lebenssituationen ein.

• In unseren Kirchen und Gemeindezentren bieten wir Räume für intensive Gespräche über Gott, Religion und Gesellschaft, Räume für Stille und Besinnlichkeit, Räume des miteinander Feierns und Räume, in denen unterschiedliche Meinungen offen ausgesprochen werden und die darüber notwendige Diskussion ebenso offen geführt werden kann.

Wir fühlen uns dem geschwisterlichen Miteinander in der Ökumene verpflichtet

• Wir pflegen verlässliche, regelmäßige Kontakte zu unseren evangelischen Nachbargemeinden. Ökumenische Gottesdienste (z.B. am Pfingstmontag im Klinikum Ost) werden gemeinsam in partnerschaftlicher Atmosphäre vorbereitet und gefeiert.

• Diakonische Projekte und unsere Präsenz in der Krankenhaus- und Altenheimseelsorge werden in Absprache und Zusammenarbeit mit evangelischen Seelsorgerinnen und Seelsorgern wahrgenommne.

• Auch die Arbeit in unseren Kindertagesstätten und in der St.-Antonius-Schule ist entsprechend deren eigenen Leitbildern ökumenisch geprägt.

• Gesprächsangebote und Weiterbildung zu ökumenischen Themen sind notwendiger Bestandteil unserer gemeindlichen Bildungsarbeit.

Wir zeigen in der gesellschaftlichen Öffentlichkeit unserer Stadtteile Gesicht

• Wir beteiligen uns an Festen unserer Stadtteile und geben dort Zeugnis von der Hoffnung, die uns trägt. Ein besonderes Anliegen ist unsere Unterstützung und Teilnahme am jährlichen „Friedensgang der Religionen“ in Osterholz.

• Gesellschaftliche Gruppen, Schulklassen u.a. heißen wir zur Besichtigung unserer Kirchen willkommen. Ebenso freuen wir uns, wenn wir außergemeindliche Gruppen (z.B. Kreuzbund, Verein zur Förderung akzeptierender Jugendarbeit VAJA, Stadtteilkonferenz) in unseren Pfarrzentren Gastfreundschaft gewähren können.

• Zum Wohl der Menschen in unseren Stadtteilen nutzen wir die Möglichkeiten zur Netzwerkarbeit und bringen unsere Kompetenzen dort ein.

• Das Engagement von Gemeindemutgliedern, die aufgrund ihrer christlichen Überzeugung in Stadtteilinitiativen, Verbänden oder in den Ortsbeiräten mitarbeiten, wird von uns sehr wertgeschätzt.

Aus christlicher Verantwortung engagieren wir uns für Menschen in der ganzen Welt und für die Bewahrung der Schöpfung

• Unser Engagement umfasst neben der finanziellen Unterstützung durch Kollekten auch die Bildungsarbeit sowie die thematische Gestaltung von Gottesdiensten. Der Sternsingeraktion des Kindermissionswerkes widmen wir dabei große Aufmerksamkeit.

• Weitere Bausteine unserer Solidarität in der „Einen Welt“ sind die Partnerschaftsprojekte an den einzelnen Kirchen, unsere gemeindeeigene „Stiftung für medizinische Hilfe in Afrika“ sowie der regelmäßige Verkauf von Waren aus dem Fairen Handel.

• Wir bemühen uns um einen verantwortlichen Umgang mit der Schöpfung und beteiligen uns an der Energieoffensive unseres Bistums.

• Unsere Sorge um Menschen, die unter Krieg, Unterdrückung und Ungerechtigkeit leiden, findet auch im Fürbittengebet und auf besondere Weise im ACAT-Gebet (Aktion der Christen für die Abschaffung der Folter e.V.) ihren Ausdruck.

• Bei all diesen Aktionen sind wir uns bewusst, dass wir immer Gebende und Nehmende zugleich sind und von den Erfahrungen und der Spiritualität der Menschen auf der ganzen Welt selber viel lernen können.

 


 

In unseren Leitsätzen haben wir die Bereiche formuliert, die wir mit unseren Handlungsmöglichkeiten – auch im Rahmen der kirchlichen Gremien unserer Stadt und unseres Bistums – umsetzen können. Darüber hinaus sind die folgenden Punkte Konsens: Wir unterstützen notwendige Reformen in der katholischen Kirche. Wir beteiligen uns an den Diskussionsprozessen auf dem Weg zu einer neuen Dialogkultur in unserer Kirche. Wir setzen uns für Gemeindemitglieder ein, die durch kirchenrechtliche Bestimmungen von den Sakramenten ausgeschlossen sind.

 


 

Das Leitbild wurde vom Pfarrgemeinderat am 6.12.2012 beschlossen.