Friedensgang der Religionen
Montag, 16. April 2012

Unter der Überschrift „Spaziergänger und Brückenbauer - Mitglieder unterschiedlicher Religionen lernen sich bei einem Friedensgang besser kennen" hat Frau Kerstin Thompson im „Kirchenbote des Bistum Osnabrück" vom 29.April diesen Artikel geschrieben:

„Menschen verschiedener Religionen und Konfessionen brechen auf zu einem Friedensgang und lernen sich näher kennen - das hat sich im Bremer Stadtteil Osterholz bewährt. Stationen diesmal: Die Moschee am Soltend, die Kapelle des Krankenhauspfarramtes, die Melanchthonkirche und die Kirche St. Antonius. Was verbindet die Religionen und worin unterscheiden sie sich? Um diese Frage geht es beim Friedensgang, auch wenn jedes Treffen unter einem anderen Motto steht. Das Motto diesmal lautet „Bilder der Hoffnung".
Christen, Muslime, Mitglieder der Hindu-Gemeinde und andere interessierte Stadtteilbewohner versammeln sich am Ortsamt Osterholz. Dann machen sie sich auf den Weg zur Osterholzer Moschee am Soltend, lassen sich auf dem Teppich im Gebetsraum nieder und hören zu. Gemeindemitglied Ahmet Erkek, 22 Jahre alt, spricht über Hoffnung und die Barmherzigkeit Gottes. Beides, sagt er, verbinde alle Religionen. Erkek erklärt darüber hinaus, weshalb es in muslimischen Gebetsräumen keine Bilder und Figuren gibt. Im Islam werde Gott nicht abgebildet, sagt er. Außerdem würden Bilder vom Gebet ablenken. Der junge Mann beantwortet viele Fragen, erzählt, dass es zum Beispiel üblich ist, fünfmal am Tag zu beten und dass Frauen einen eigenen Gebetsraum haben. Wer von den Besuchern will, bekommt einen Gebetskalender auf Deutsch geschenkt.
Die Hoffnung bei Krankheit nicht aufgeben: Darum geht es in der Kapelle im Klinikum Bremen-Ost. Pastorin Uta Küpper-Lösken vom ökumenischen Seelsorgeteam erzählt über ihren Alltag mit psychisch Kranken und Krebskranken. „Wenn Menschen bei einer Krebsdiagnose erfahren, dass ihr Körper gegen sie arbeitet, bricht eine Welt zusammen. Die Lebenskraft ist wichtig. Patienten erhoffen sich oft mehr als menschliche Hilfe. Sie hoffen, dass es einen Gott gibt, der sie wieder gesund macht", sagt Küpper-Lösken. Sie fragten sich: Muss oder kann ich mit meiner Krankheit leben? Wie finde ich wieder meinen Platz in dieser Gesellschaft? Werde ich wieder ganz gesund? Ein „Bilder der Hoffnung" entdecken die Besucher in der Kapelle. Ein Kunstwerk von Ursula Jäger stellt eine Treppe aus bunten Stoffstreifen als Lebensleiter dar. Einige Stufen sind zerbrochen, in dunklen Tönen gehalten, andere sind intakt, hellgelb, rot oder hellgrün - Farben des Lebens und der Hoffnung. Das Werk sagt aus: Der Mensch kann auf seinem Lebensweg einbrechen, aber es gibt immer wieder Hoffnung.
Als Nächstes lädt Pastorin Inge Kuschnerus in die evangelische Melanchthongemeinde ein und spricht von der Hoffnung anhand der Geschichte vom verlorenen Sohn. „Wir haben in der Bibel greifbare Zeichen der Hoffnung", sagt sie.
Auf dem Weg von Station zu Station gibt es immer wieder Gesprächsstoff. Gemeinsam unterwegs zu sein - solche Angebote weiß der Pastoralreferent und Sozialpädagoge Andreas Egbers-Nankemann zu schätzen. Er betreut die Jugendarbeit in St. Raphael und kennt auch den „Bremer Stadtplan der Religionen". Dieses interreligiöse Projekt wurde von Jugendlichen für Jugendlicheins Leben gerufen und ist eine Möglichkeit für junge Leute, sich stadtteilübergreifend kennenzulernen und miteinander ins Gespräch zu kommen - ähnlich wie die Spaziergänger auf dem Friedensgang.
Von der Melanchthonkirche brechen die Teilnehmer zur katholischen St. Antonius-Kirche auf. Dort spricht die pastorale Mitarbeiterin der St. Raphael-Gemeinde, Elisabeth Hunold-Lagies, über die Osterkerze als „zentrales Bild unserer Hoffnung". Abschließend wird ein Lied angestimmt: „Damit ihr Hoffnung habt", gesungen beim Ökumenischen Kirchentag 2010 in München. Der Text passt auch gut zu den Bremern, denn es geht darum, Brücken zueinander zu bauen.