Gespräch von Weihbischof Kettmann mit dem Pfarrgemeinderat und Kirchenvorstand
Sonntag, 19. Februar 2012

Weihbischof Kettmann sollte zu Beginn des Gespräches ein Eindruck von den Erfahrungen der ersten fünf Jahre „Pastoraler Raum St. Raphael" erhalten. Dies solle in ansprechender Weise erfolgen. Darum wurde dieses „Interview" erarbeitet:

 

Reporterin:

Herzlich willkommen zu unserer Radioshow „Raphaelitos" Hier in St. Hedwig haben sich, wie ich hörte, Mitglieder des Kirchenvorstandes und des Pfarrgemeinderates gemeinsam mit Weihbischof Kettmann getroffen. Es sieht hier nach einer vertrauten Runde aus. Aber so ganz einfach war und ist es damit nicht. Noch vor fünf Jahren hätten hier die Gremien aus vier Gemeinden gesessen und die Leute wären sich deutlich fremder gewesen. Lassen wir uns ein wenig davon erzählen, wie dieses „aus 4 mach 1" hier gelungen ist. Einige dieser Mitglieder werden uns gleich Rede und Antwort stehen. Lassen Sie uns bei der großen Thematik „Abschiede und schmerzhafte Veränderungen beginnen". Frau Schirmer, als Mutter von zwei Söhnen sind Sie schon eine Weile in der Gemeinde aktiv. Wie kamen Sie in die Gemeinde und welche Abschiede haben Sie seitdem erlebt?

Frau Schirmer:

Meine beiden Söhne gingen in St. Antonius in den Kindergarten. Sie hatten dort eine gute Zeit. Besonders schön fand ich, dass die Schule im gleichen Gebäude angesiedelt war. So hatte ich lange Zeit nur einen Weg. Inzwischen mussten wir uns vom Kindergarten verabschieden, weil er nach St. Thomas umgezogen ist. Mein zweiter Sohn profitiert nun in der Betreuungszeit von dem freigewordenen Raum. Auch die Bibliothek der Schule konnte hierhin umziehen.

Reporterin:

Sie können also auch positive Seiten an den Veränderungen entdecken?

Frau Schirmer:

Ja, durchaus. Aber es war im letzten Jahr sehr traurig, als plötzlich die kleineren Kinder nicht mehr auf dem Spielplatz zu sehen waren. Der Abschied tat weh.

Reporterin:

Das eben Geschilderte war noch längst nicht alles zum Stichwort „Abschiede". Frau Jaschke, können Sie uns etwas zu dem großen Abschied von der Kirche St. Barbara erzählen?

Frau Jaschke:

Das will ich wohl tun. Wobei ich gleich korrigieren muss: es war nicht nur der Abschied von der Kirche, sondern auch vom Gemeindezentrum St. Barbara. Das ist deshalb wichtig, weil im Gemeindezentrum von St. Barbara zum Beispiel die Erstkommunionvorbereitung oder die Beichtvorbereitung aus dem Bereich aus dem Bereich Arbergen / Hemelingen stattfand. Das war schon so, als St. Godehard noch selbstständige Gemeinde mit der Außenstation Barbara war. Außerdem traf sich hier regelmäßig eine Seniorengruppe nach dem Werktagsgottesdienst am Mittwoch zum Kaffee. Gerade dieser Runde war St. Barbara sehr ans Herz gewachsen.

Reporterin:

Gut, dann sprechen wir also über Kirche und Gemeindezentrum zusammen. Erzählen Sie doch mal.

Frau Jaschke:

Über eine mögliche Schließung von St. Barbara wurde schon seit über 15 Jahren wieder und wieder diskutiert. Aber im letzten Jahr war dann klar, dass es nun 2011 tatsächlich kommen würde. Die Stimmung war in diesem Gemeindeteil natürlich sehr niedergedrückt; selbst bei denen, die die Argumente durchaus verstanden. Kopf und Herz liegen da doch weit auseinander.

Reporterin:

Gab es etwas, das geholfen hat in dieser schwierigen Zeit?

Frau Jaschke:

Doch, schon. Es wurden ausführliche Beratungen angestellt, wie das, was verloren geht, an anderen Orten weiter geführt werden kann und welche Hilfestellungen wir beispielsweise den genannten Senioren geben können, wenn auf sie weitere Wege zukommen. Ich habe mich auch darüber gefreut, dass an diesen Beratungen nicht nur Leute aus dem unmittelbaren Barbarabereich teilgenommen haben. Dadurch konnte man spüren, dass diese Schließung als etwas verstanden wurde, was ganz St. Raphael betrifft.

Reporterin:

Und der eigentliche Abschied?

Frau Jaschke:

Der war Anfang Juli mit einem Gottesdienst in voller Kirche und einer anschließenden Begegnung. Beides war hervorragend vorbereitet und ein würdiger Abschied. Aber trotzdem: auch an dem Tag haben Kopf und Herz unterschiedlich empfunden. Leider hat sich dann die rechtliche Seite der Übergabe noch lange verzögert, so dass Anwohner das Bild des verlassenen Gebäudes noch lange vor Augen hatten.

Reporterin:

Kommen wir zu einem Bereich, der sich nicht in Zahlen und Fakten darstellen lässt. Frau Harlander, bitte erzählen Sie uns etwas über die „gefühlten Abschiede", die sich aus der Gründung von St. Raphael ergeben haben oder der allgemeinen Situation unserer Kirche geschuldet sind.

Frau Harlander:

Das ist ein schwieriges, aber wichtiges Thema. Das Gefühl, dass früher alles nicht nur anders, sondern natürlich besser war, kennen wir ja aus den verschiedensten Lebensbereichen. Es macht gerade viele ältere Gemeindemitglieder traurig zu erleben, wie stark der Gottesdienstbesuch zurück geht und wie das Interesse am Glauben nachlässt. Wo sind die Kinder? Wo bleiben die Jugendlichen? Und auch die Rolle der Hauptamtlichen, und für manche besonders die des Priesters hat sich verändert: „unser" Pfarrer hat mich doch immer mit Namen begrüßt und wenn ich was auf dem Herzen hatte, wusste ich sofort, zu wem ich gehen muss. Hier hat sich viel verändert. Der Bereich ist groß und in manchem unüberschaubar geworden. Vieles, was vorher selbstverständlich war, muss organisiert werden. Die veränderte Situation fordert von den Gemeindemitgliedern mehr an Beweglichkeit, und das können manche nicht schaffen.

Reporterin:

Nun wollen wir uns aber mit den guten Lösungen und Wegen beschäftigen, die es in St. Raphael in den vergangenen fünf Jahren gab und gibt. Sicher können uns einige von Ihnen kurz berichten, welche gemeinsamen Veranstaltungen in den vergangenen Jahren stattgefunden haben. Herr Tenberge, Sie haben sich besonders dafür engagiert, dass die Gemeinde das große Gebiet kennengelernt. Was haben Sie dafür unternommen?

Herr Tenberge:

Nun, zur Vorbereitung des Katholikentages in Osnabrück hatte ja jede Gemeinde einen Pilgerstab erhalten. Was tut man damit? Natürlich wandern. Und so hatte ich die Idee, dass wir mit dem Stab unterschiedliche Orte aufsuchen wollten. Gemeinsam mit dem Ausschuss Katechese gestalteten wir einen Weg von der ältesten bis zur jüngsten Kirche und haben dabei einen Stein auf dem geografischen Mittelpunkt hinterlassen. Wir überlegten dann, welche Einrichtungen es auf unserem Gebiet gibt: das Klinikum Ost wurde unser nächstes Ziel, bei dem wir auch etwas über das Arbeitsgebiet der Krankenhausseelsorge erfuhren. Der Osterholzer Friedhof und ein anschließender Besuch im Trauercafé des Beerdigungsinstituts Ahrens konfrontierte uns mit dem Thema Tod- Trauer-Begräbnis. Wie das Leben und die Situation in einem Seniorenpflegeheim aussieht, das konnten wir zu einem späteren Zeitpunkt im Stiftungsdorf Osterholz erleben. Bevor wir loswanderten, haben Kinder der St.-Antonius-Schule den Stab gestaltet. So waren auch unsere jüngeren Gemeindemitglieder in diesen Prozess einbezogen. Sie machten sich Gedanken über drei Bereiche: das Lebendige in der Gemeinde (grün), schwierige Situationen und Krankheit (weiß) und schließlich den Tod (schwarz). Auch in Zukunft soll uns der Pilgerstab begleiten und uns zu weiteren interessanten Einrichtungen führen.

Reporterin:

Vielen Dank für diese ausführlichen Informationen! Was wäre die Kirche ohne Liturgien. Frau Bursch, was können Sie uns zu gemeinsamen Gottesdiensten berichten?

Frau Bursch:

Da fange ich mal gleich mit Neujahr an. An unserem eigentlichen „Geburtstag", dem 1. Januar 2007, feierten wir um 17.00 Uhr in St. Thomas den Startgottesdienst, in dem die vier Chöre zu einem großen Chor zusammen gefasst waren. Dieser Gottesdienst hat uns - auch gerade im Kirchenraum St. Thomas - so gut gefallen, dass wir ihn zur festen Tradition gemacht haben. Der Liturgieausschuss hat es bisher geschafft, sich jedes Jahr eine ganz besondere Gestaltung einfallen zu lassen: mit teilweise ungewohnten gottesdienstlichen Elementen, mit Musikerinnen und Musikern aus allen Gemeindeteilen, jedes Mal auch mit einem kleinen selbst gebastelten Geschenk für alle, das einen thematischen Bezug zum Gottesdienst hat; naja und dann die anschließende Begegnung in unserem schönen Gemeindezentrum. Also: Mein Neujahr - nicht ohne den Termin um 17.00 Uhr in St. Thomas!

Reporterin:

Da gerät ja jemand richtig ins Schwärmen! Also auch das scheint es in der großen Gemeinde zu geben. Machen wir mal weiter mit dem Patronatsfest.

Frau Bursch:

Da springen wir in den Herbst; der 29. September ist der Tag unseres Namenspatrons, des Erzengels Raphael. Eine gute Gestaltung dieses Tages war uns von Anfang an wichtig. Dabei muss man immer gucken, auf welchen Wochentag das Fest fällt - das ergibt mitunter schon Anknüpfungspunkte zur Gestaltung. Es gab schon die unterschiedlichsten Formen: Fest- und Familiengottesdienste, enge Verbindung mit Festen in Kindergärten und Schulen, besondere Vespergottesdienste, eine kleine Ausstellung zur PGR-Arbeit und anderes mehr. Auch zukünftig wird für uns eine angemessene Gestaltung unseres Patronatsfestes ein wichtiges Element des Kirchenjahres bleiben.

Reporterin:

Sicher bemüht man sich seit der Gründung St. Raphaels auch darum, die Familien der jüngsten Gemeindemitglieder ein wenig auf ihrem Weg zu begleiten. Frau Geißler, welche Idee dazu können Sie uns vorstellen?

Frau Geißler:

Seit drei Jahren gibt es am Sonntag nach Ostern, dem „Weißen Sonntag", eine Tauferinnerungsfeier. Der Pfarrgemeinderatsausschuss Gemeindeaufbau und der Kinderkirchenkreis St. Antonius lädt alle Familien, die im zurückliegenden Kalenderjahr ein Kind in unserer Gemeinde taufen ließen, zu dieser Feier in die Kirche St. Antonius ein. Zusammen danken wir Gott noch einmal für das Geschenk des Lebens und wir erinnern uns an die Bedeutung der Taufe. Im Anschluss an die Tauferinnerungsfeier sind die Familien eingeladen zu einem gemütlichen Beisammensein bei Kaffee und Kuchen in das Gemeindezentrum von St. Antonius.
Dieses Zusammensein bietet die Gelegenheit, die anderen Täuflinge mit ihren Familien und einige ehrenamtliche und hauptamtliche Mitarbeiter kennen zu lernen.

Reporterin:

Und wieder spannen wir den Bogen vom Beginn des Lebens zu seinem Ende. Frau Werner, Sie arbeiten im Liturgieausschuss mit. Erzählen Sie uns bitte von der Gedächtnisfeier für Verstorbene.

Frau Werner:

Gerne. Wir haben ja schon bei der Tauferinnerungsfeier das Bemühen gesehen, den einzelnen Orten ein eigenes Gesicht zu geben. Schon bevor St. Raphael gegründet wurde, gab es in St. Hedwig die Tradition, in der Hedwigskapelle über das Jahr Namenskreuze für die Verstorbenen aufzuhängen, die dann kurz nach Allerheiligen an die Angehörigen zurück gegeben wurden. Es bot sich also an, das Gedächtnis an die Verstorbenen in St. Hedwig anzusiedeln. Der Liturgieausschuss hat eine Form entwickelt, in der in einer sehr würdigen liturgischen Feier der Verstorbenen des letzten Jahres gedacht wird. Von der Altarraumgestaltung über sehr ausgesuchte, mitunter auch literarische Texte bis zur musikalischen Gestaltung trägt alles zu einer sehr ruhigen Feier bei, die den Angehörigen - so wurde uns mehrfach erzählt - noch einmal ein großer Trost war.

Reporterin:

Warum in die Ferne schweifen, wenn ... Sie alle kennen diesen Spruch. Die Aufgabe der Eine-Welt-Gruppen ist jedoch genau dies - in die Ferne zu blicken. Frau Bursch, wie gestaltet sich die Eine-Welt-Arbeit seit der Gründung von St. Raphael?

Frau Bursch:

Seit vielen Jahren halten die Eine-Welt-Gruppen unserer Gemeinden unsere weltweite Verbundenheit und solidarische Verpflichtung wach, ob mit KaPhilipp in Haiti, mit Waslala in Nicaragua, mit der Pfarrei St. Christobal in Lima (Peru) oder mit unseren Projekten in Litauen und Afrika. Leider ist jede Gruppe für sich recht klein. Zusammen aber sind wir stark und können nun gemeinsam sowohl den Misereorsonntag als auch seit der Gründung von St. Raphael unseren alljährlichen „Eine-Welt-Sonntag" vorbereiten und gestalten. Auch einige unserer „Eine-Welt- Läden" bündeln ihre Kräfte und kaufen bereits gemeinsam ein.

Reporterin:

Was tut St. Raphael für seine Ehrenamtlichen? Herr Plohmann, hat Sie diese Frage beschäftigt und gab es gute Antworten darauf?

Herr Plohmann:

Die Frage nach der Wertschätzung der Ehrenamtlichen hat uns immer wieder begleitet. Im vergangenen Jahr gab es eine neue Idee dazu: ein Ausflug für alle Ehrenamtlichen. Sie erhielten zu Weihnachten einen Gutschein dafür und konnten sich dann auf einen spannenden Ausflugstag im April freuen. Bedingung war: ausschließlich Hauptamtliche sollten für die Umsetzung zuständig sein. Dies ist zur Freude aller, die mitgekommen sind, in hervorragender Weise gelungen. Es gab eine ausgewogene Mischung aus Geselligkeit, Kulturellem und Spirituellem sowie einige überraschende Momente. Ein gelungener Beitrag zum weiteren Kennenlernen, zum Zusammenführen und zum Danksagen an alle Ehrenamtlichen von St. Raphael.
Die Frage wird uns als Gemeinde natürlich weiterhin beschäftigen, denn wir Ehrenamtlichen brauchen immer wieder das Gefühl, dass unsere Arbeit wertvoll ist.

Reporterin:

Ehrenamtliche arbeiten ja auch in einem sehr wichtigen Gremium, dem Kirchenvorstand mit. Herr Seeseke, bitte erzählen Sie uns davon, wie der Kirchenvorstand die Vorgaben des Bistums zur Reduktion des Energiebedarfs in allen Gebäuden zu senken, umsetzt.

Herr Seeseke:

Es ist das erklärte Ziel unseres Bistums, durch Wärmeisolierungen und weitere Projekte den Energiebedarf unserer Häuser deutlich zu senken. Auch unser Kirchenvorstand ist hier stark engagiert. Durch die Zusammenführung aller Rücklagen konnten bereits Projekte im Umfang von ca. 180.000 € realisiert werden: Die Außenisolierung des Gemeindezentrums St. Godehard, die Erneuerung der Fenster im Gemeindezentrum St. Antonius, die Erneuerung der Eingänge und Windfänge in St. Thomas und der Kirche St. Hedwig sowie verschiedene Kellerdeckendämmungen. Als nächstes großes Projekt planen wir für dieses Jahr die Erneuerung der Fenster in der Kirche St. Hedwig. Von den Einzelgemeinden hätten mehrere dieser Baumaßnahmen wegen fehlenden Eigenkapitals nicht umgesetzt werden können.

Reporterin:

Kommen wir wieder zurück zu den pastoralen Aufgaben einer Gemeinde. Frau Frantzen, Sie sind als Hauptamtliche im Bereich der Sakramentenvorbereitung tätig. Gab es auch in diesen Bereichen Veränderungen durch den Zusammenschluss zu einem pastoralen Raum?

Frau Frantzen:

Gleich zu Beginn unserer gemeinsamen Arbeit haben wir uns dazu Gedanken gemacht, wie die Vorbereitung auf die Sakramente zukünftig gestaltet werden soll. Ein Elternabend in der Regel kurz vor den Sommerferien informiert über die verschiedenen Möglichkeiten der Erstkommunionvorbereitung in St. Raphael. Jeweils nach den Sommerferien beginnt mit einem gemeinsamen Gottesdienst für alle Erstkommunionfamilien in St. Raphael die Erstkommunionvorbereitung. Gruppenstunden und die Erstkommunionfeier finden ganz individuell an den vier Kirchenorten statt. Die gemeinsame Dankmesse kurz nach der Erstkommunionfeier bildet den Abschluss. Für Eltern, die den Vorbereitungsweg ihres Kindes intensiver begleiten wollen, bieten wir die Familienkatechese an.

Reporterin:

Welche Modelle gibt es denn für die Jahrgänge zwischen der Erstkommunion und der Firmung?

Frau Frantzen:

Schon im Jahr 2007 wurde der außerschulische Religionsunterricht der Jahrgänge vom 5. bis zum 8. Schuljahr auf Blockunterricht umgestellt. Jeweils ein Doppeljahrgang (5./6. sowie 7./8. Schuljahr) treffen sich sechs Mal im Jahr zum gemeinsamen Religionsunterricht an einem Samstagvormittag. Diese Form hat sich sehr bewährt. Die Schüler sind motivierter und engagierter als beim wöchentlichen Unterricht am späten Nachmittag. Die jeweiligen Unterrichtseinheiten sind in sich abgeschlossen. Eine dreistündige Unterrichtszeit bietet bessere Möglichkeiten für kreative Angebote und Gruppenarbeiten. Da der Unterricht wechselweise in den verschiedenen Pfarrzentren unserer Gemeinde stattfindet, werden die Schüler allmählich mit unseren Kirchenorten in den verschiedenen Stadtteilen unserer Großgemeinde vertraut.

Reporterin:

Im 9. Schuljahr wird ja dann sicher auch hier die Firmung vorbereitet. Wie gestalten Sie diese Vorbereitungszeit?

Frau Frantzen:

Zu Beginn eines Schuljahres laden wir alle Jugendlichen aus der Klassenstufe 9 ein, am Firmkurs teilzunehmen. Die Jugendlichen haben zunächst die Möglichkeit sich zwischen zwei Alternativen zu entscheiden: Entweder treffen sie sich wöchentlich für eine Stunde und besprechen in ihrer Gruppe die verschiedenen Themen des Firmkurses, oder sie treffen sich monatlich für mehrere Stunden und erarbeiten dort die jeweiligen Einheiten. Fester Bestandteil des Kurses ist auch mindestens ein gemeinsames Wochenende, um sich als Kurs kennen zu lernen und um die Gemeinschaft untereinander zu stärken. Gerade weil die Jugendlichen aus den verschiedenen Ortsteilen des Bremer Ostens kommen und verschiedene Schulen besuchen, haben viele im Alltag keinen Kontakt miteinander. In den vergangenen Jahren hat es sich bewährt, die Firmvorbereitung sowie die Firmgottesdienste auf jeweils zwei Kirchen unseres Pastoralen Raumes zu beschränken. Einerseits haben wir so eine jährliche Firmvorbereitung und verkürzen die Wartezeit auf den nächsten Kurs; andererseits haben wir mit gut 50 Firmbewerber/innen eine Gruppengröße, die noch überschaubar ist, aber doch zwei Vorbereitungsmodelle erlaubt. Die Firmbewerber/innen nehmen zum Teil weitere Wege in Kauf, um mit ihrem Jahrgang die Vorbereitung zu machen. Manche entscheiden sich aber auch bewusst, mit der Vorbereitung ein Jahr zu warten, wenn die Kirche, mit der sie sich besonders verbunden fühlen, in diesem Jahr keinen Firmkurs anbietet. Ich habe den Eindruck, dass gerade in der Firmvorbereitung durch den pastoralen Raum eine größere Vielfalt und Flexibilität möglich geworden ist, die den Jugendlichen entgegenkommt und Spielräume für katechetische Modelle lässt.

Reporterin:

Die besondere Herausforderung der pastoralen Räume sollte von Beginn an stets auch die Einbindung der Institutionen sein. Auf jedem Gebiet befinden sich unterschiedliche katholische Einrichtungen, die sich der Gemeinde zugehörig fühlen, von Menschen aus der Gemeinde besucht werden und von der Gemeinde in vielfältiger Weise unterstützt werden. In St. Raphael sind dies die Kindertagesstätte St. Hedwig und die Kindertagesstätte St. Thomas, die St.-Antonius-Schule, das Altenpflegeheim St. Laurentius, das Säkularinstitut St. Bonifatius und die Krankenhausseelsorge des Klinikums Bremen Ost. Frau Pusch, als Leiterin der Kindertagesstätte St. Thomas können Sie uns sicher etwas zu den beiden Kindertagesstätten sagen.

Frau Pusch:

Sicher, wir sind da in einem guten Austausch. Die Kindertagessteätte St. Hedwig besteht nun seit mehr als 40 Jahren. Natürlich hat sie in dieser Zeit mehrfach ihr Gesicht verändert. In der Kindertagesstätte werden täglich 100 Kinder in fünf Gruppen betreut. Das Platzangebot umfasst 80 Plätze für Vorschulkinder (3-6 Jahre) in vier Kindergartengruppen sowie 20 Plätze für Grundschulkinder in der Hortgruppe. Schwerpunkte in der täglichen Arbeit sind die Religions- und die Integrationspädagogik. Es findet ein regelmäßiger Austausch mit der Gemeinde vor Ort statt. In den Integrationsgruppen der Kindertagesstätte werden Kinder mit Förderbedarf zusammen mit Kindern ohne Förderbedarf betreut und gefördert.
Viele Jahre hatte „meine" Kindertagesstätte St. Thomas zwei Standorte: eine Kindergartengruppe in St. Thomas und eine Gruppe in St. Antonius. In der „Raphael-Zeit" wurde überlegt, welche Schwerpunkte an den einzelnen Standorten gesetzt werden können. In St. Antonius ist die Schule beheimatet und benötigte mehr Räumlichkeiten. Es wurde also beschlossen, in St. Thomas die Kindertagesstätte umzubauen und zu erweitern. Seit dem 1. März 2011 sind 40 Kindergartenkinder und 16 Krippenkinder in den neuen Räumlichkeiten „zu Hause". Eine besondere Herausforderung sehen wir in der Arbeit mit den Kindern, die jünger als drei Jahre sind. Sie benötigen eine ganz andere Betreuung, als die älteren Kinder. Alle an der religiösen Ausrichtung interessierten Familien können ihre Kinder in unseren beiden Kindertagesstätten anmelden, unabhängig von ihrer eigenen Religion. Dies ist manchmal schwierig, wenn die Kinder dann gemeinsam weiter in die St.-Antonius-Schule gehen sollen. In der Schule werden nämlich zunächst die christlich getauften Kinder aufgenommen. Das führte in vergangenen Jahren auch zu Enttäuschungen.

Reporterin:

Das kann ich gut verstehen. Aber da sieht man dann auch wieder die Grenzen der Zusammenarbeit, zumal alle Institutionen eigene behördliche Vorgaben und unterschiedliche Träger haben. Frau Schirmer, mit Ihnen habe ich ja eingangs schon über die konkreten Abschiede gesprochen. Welche sichtbaren Veränderungen haben sich denn nun in der Schule durch die Gründung von St. Raphael ergeben? Bitte nennen Sie uns doch einige Beispiele.

Frau Schirmer:

Eine besondere Freude war es, als ein Stück Wiese, das zuvor fast ausschließlich von der Gemeinde genutzt wurde, den Schulkindern als zusätzliche Spielfläche zur Verfügung gestellt wurde. Die Kinder hatten vorher häufig gefragt, warum sie dort nicht hin durften. Inzwischen gibt es dort sogar neue Spielgeräte - ein großer Glücksfall!

Reporterin:

Das kann ich aus meiner Sicht bestätigen. Die Pausen gestalten sich seit der Zeit sehr viel entspannter. Was hat sich noch verändert?

Frau Schirmer:

Durch den Umzug der Kindertagesstätte St. Antonius kann die Schule nun außerdem mehr Räume nutzen, die auch den Bedürfnissen der spielenden Kinder besser entsprechen. Das ist besonders auch deswegen bedeutsam, weil die Betreuungszeiten den Bedürfnissen der Eltern angepasst wurden und wie ich erfuhr auch weiter angepasst werden müssen. Seit Februar gibt es auch ein Mittagessenangebot, das ich persönlich jedoch nicht nutze. Es sind 18 Kinder angemeldet, die sich jeden Tag mit zwei Erwachsenen zum Essen treffen.
Aktuell denken die Verantwortlichen über noch längere Betreuungszeiten bis 16 Uhr nach. Die direkte Nachbarschule wird ab Sommer zu einer offenen Ganztagsschule umgewandelt. Scheinbar benötigen zunehmend mehr Eltern dieses Betreuungsangebot. Ich befürchte, dass sie ihre Kinder dann nicht mehr in der St.-Antonius-Schule anmelden oder sogar im Laufe des Schuljahres abmelden.

Reporterin:

Da haben Sie recht. Das kommt durchaus vor. Auch andere politische Entscheidungen gefährden den Bestand der Schule.

Frau Schirmer:

Ja, das ist richtig. Besonders die Frage nach dem Übergang in die 5. Klasse stellt Eltern vor Probleme. Die Kinder der Schulen in privater Trägerschaft werden da benachteiligt. Ich persönlich fände es sehr bedauerlich, wenn die gute Arbeit vor Ort nicht fortgesetzt werden könnte. Gerade das Zusammenwirken von Gemeinde und Schule habe ich sehr schätzen gelernt und ich sehe, wie fruchtbar dies für beide Seiten ist.

Reporterin:

Frau Hunold-Lagies, Sie sind als Hauptamtliche für die Kontakte zur Schule zuständig und arbeiten unter anderem in der Schulkonferenz mit. Wie haben Sie die Entwicklung der vergangenen Jahre erlebt?

Frau Hunold-Lagies:

Da ich schon sehr lange hier arbeite, habe ich schon sehr viele unterschiedliche Phasen bezüglich der Intensität der Zusammenarbeit erlebt. Durch die Mitwirkung in den Gremien sowohl von Seiten der Gemeinde wie auch von der Seite der Schule erlebe ich momentan einen sehr intensiven Austausch. Wir als Gemeinde profitieren sehr davon, wenn Veranstaltungen wie die Sternsingeraktion, Familiengottesdienste, Kinderfasching oder ähnliches in der Schule über die Elterninformationen und Handzettel beworben werden. Auch von Gemeindeseite aus bedauern wir die politischen Entscheidungen und können nur hoffen, dass es auch mit unserer Unterstützung gelingen möge, die Schule hier zu erhalten.

Reporterin:

Herr Goritzka, Sie gehören als Diakon noch nicht so lange zum Team der Hauptamtlichen, und das auch nur mit einem Teilauftrag. Einer Ihrer Arbeitsschwerpunkte bei uns liegt im Bereich des Altenpflegeheims St. Laurentius. Was ist aus Ihrer Sicht das Besondere an dieser Arbeit?

Diakon Dr. Goritzka:

Die Arbeit in einem Altenpflegeheim ist eine diakonale Aufgabe und daher für mich zunächst einmal selbstverständlich und nicht besonders. Aber für unsere Runde heute Nachmittag gibt es schon Besonderheiten, weil wir ja über die Gemeinde St. Raphael sprechen, zu der St. Laurentius gehört. Es ist in den letzten Jahren gut gelungen, beides näher zusammen zu bringen. Im Heim engagiere ich mich zur Unterstützung des Ehrenamtes, das auch in diesem Bereich an Bedeutung gewinnt. Über diese Schiene komme ich dann in guten Kontakt zu den ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern aus unserer Gemeinde. Ich wurde außerdem in den Heimbeirat gewählt und kann so zu einer Weiterentwicklung der Zusammenarbeit beitragen. Außerdem finde ich es sehr schön, dass der Gemeindegottesdienst jeden Samstag in dem sehr schönen Gottesdienstraum gefeiert wird. In keiner anderen Kirche von St. Raphael ist die Gottesdienstgemeinde so durchmischt wie hier.

Reporterin:

Das klingt alles sehr gut. Aber wir haben noch viele andere nichtkirchliche Altenheime in unserem Gemeindegebiet. Was ist mit denen?

Diakon Dr. Goritzka:

Darauf möchte ich jetzt nur kurz eingehen. Vor 1 ½ Jahren hatten wir eine Konferenz mit unserem Team und den evangelischen Pastoren aus den entsprechenden Gemeinden. Wir haben für mehrere Heime kleine ökumenische Tandems gebildet, die an einzelnen Häusern regelmäßig im Wechsel und zu besonderen Anlässen auch gemeinsame Andachten und Gottesdienste feiern. Diese Systematik ist ein großer Fortschritt gegenüber der früheren Situation, wo solche Einsätze manchmal eher zufällig waren.

Reporterin:

Auch wenn ich selber noch vieles wissen möchte, so neigt sich unsere Sendezeit doch dem Ende zu. Wir haben so vieles gehört, dass uns schon ein bisschen der Kopf schwirrt. Und doch soll eine letzte Frage gestellt werden: wie wird es weiter gehen? Wie zuversichtlich können wir in die Zukunft blicken? Herr Biegler, Sie sind Mitglied im PGR-Vorstand und so sicher dicht dran an dieser Frage.

Herr Biegler:

Das will ich hoffen, wobei ich mir sicher bin, dass viele genau so dicht dran sind.
Wenn ich in die nähere Zukunft blicke, dann fällt mir eine Aufgabe ein, die sich aus der Klausurtagung des Pfarrgemeinderates im vergangenen November ergeben hat: wir wollen noch in diesem Jahr ein Leitbild für die Gemeinde entwickeln. Ein Leitwort haben wir schon vor einigen Jahren ausgewählt: „Lasst uns dem Leben trauen, weil Gott es mit uns lebt" und das wollen wir auch noch eine Weile behalten. Dieses Wort beantwortet schon den Teil Ihrer Frage, wie zuversichtlich wir in die Zukunft blicken, denn das Wort ist auch Programm. Über das Leitbild haben wir schon und werden wir noch intensiv beraten und hoffen, dass es uns helfen wird, für die Gemeinde und damit natürlich auch für uns selbst einen guten Weg in die Zukunft zu finden. Wir haben heute von vielen Verantwortungsträgern aus St. Raphael gehört, worauf wir positiv zurück blicken können. Das darf uns aber nicht träge werden lassen. Wir haben auch von Dingen gehört, die Sorge bereiten und unsere Aufmerksamkeit brauchen. Und wir wissen auch um die Grenzen unseres Engagements. Ich wünsche mir für die weitere Arbeit in der Gemeinde eine Atmosphäre wie heute. Heute können wir sehen, wie viele Menschen sich um diese Gemeinde bemühen. Ich wünsche mir, dass wir uns gegenseitig ernst nehmen, uns gegenseitig unterstützen und wertschätzen.

Reporterin:

Ich danke Ihnen allen für dieses Gespräch!