Gespräch mit Bischof Bode
Freitag, 14. November 2008

In diesem Jahr erfolgt die alle vier Jahre stattfindende Visitation unseres Dekanates durch unseren Diözesanbischof Dr. Franz-Josef Bode selber statt. An mehren Tagen war er in unserem Pastoralen Raum zu Gast. Stationen seines Besuches waren:

 

  • Gespräch mit dem Pfarrgemeinderat und Kirchenvorstand (Thema: Wo stehen wir zwei Jahre nach Gründung des Pastoralen Raumes?)
  • Spendung der Firmung am 101 Jugendliche unserer Gemeinde: am 8.November in St.Thomas, am 9.November in St.Hedwig, am 14.November in St.Godehard und am 21.November in St.Antonius.
  • Gespräch mit den Firmlingsgruppen und den Firmkatecheten
  • Besuch der Kapelle St.Laurentius (mit Andacht für die Heimbewohner) und der Außenstelle St.Barbara
  • Besuch der St.-Antonius-Schule
  • Gespräch mit jedem der Hauptamtlichen
  • Gespräch mit den Schwestern des Säkularinstituts St.Bonifatius und dem Konvent der Marthaschwestern (nachgeholt im Januar 2009)

 

 

Beim gemeinsamen Gespräch mit dem Pfarrgemeinderat und dem Kirchenvorstand wurde vom Vorstand des Pfarrgemeinderates dieses Anspiel vorbereitet:

 

Frage:  Als Mitglied des Pfarrgemeinderates und als stellvertretende Vorsitzende haben Sie, Frau Prevot, sich bereit erklärt, einige Fragen zum Werdegang von St.Raphael zu beantworten. Können Sie uns kurz sagen, was vor St.Raphael war?

 

Antwort:  Wir haben hier eine Stellwand vorbereitet, auf der das Gebiet St.Raphaels zu sehen ist. Zunächst gab es die vier selbständigen Gemeinden St.Hedwig mit St.Laurentius, St.Thomas, St.Antonius und St.Godehard mit St.Barbara. Diese wurden dann zu zwei Pfarrverbünden, nämlich St.Antonius/St.Godehard und St.Hedwig/St.Thomas zusammengefügt. Seit dem 1.1.2007 sind wir nun die große Gemeinde St.Raphael.

 

Frage:  Der 1.1.2007 war also der Geburtstag der Gemeinde St.Raphael. Was hat sich geändert? Können Sie uns da etwas sagen?

 

Antwort:  Zunächst fällt auf, dass wir eine sehr große Gemeinde geworden sind. Wir haben derzeit ca. 13.000 Mitglieder. Um die Größe und die damit verbundenen Aufgaben zu verdeutlichen, möchte ich einige Zahlen nennen: In diesem Jahr haben oder hatten wir 108 Firmlinge. Es gab 30 Trauungen. Viele dieser Trauungen fanden in St.Godehard statt. 130 Tote mussten beerdigt werden. Auf die Veränderungen beim Beerdigungsdienst sollten wir später noch eingehen. 1400 Menschen wurden durch die Besuchsdienste der Gemeinde besucht.

 

Frage:  Das sind gewaltige Zahlen. Sind denn auch Schwierigkeiten aufgetreten oder deutlich geworden?

 

Antwort:  Ein Problem unserer neuen Gemeinde ist, dass die Mitglieder recht weit verstreut leben. Es gibt keine gewachsene Mitte und auch keinen Kirchenraum, der in der Mitte angesiedelt ist. Besonders schwierig ist, dass die Verkehrsanbindung teilweise schlecht ist und dass es keine Querverbindungen gibt. Es ist beispielsweise sonntags kaum möglich aus der Vahr nach Hemelingen zu kommen, ohne den Umweg über den Hauptbahnhof. Das erschwert einen Austausch und einen Wechsel der Orte. In der neuen Gemeinde mussten natürlich auch neue Gremien gewählt werden: Die Suche nach Kandidatinnen und Kandidaten erwies sich als mühsamer als zunächst erwartet. Wir hörten häufig die Antwort: „Für die eigene Kirche: ja, aber St.Raphael ist mir zu groß und zu unübersichtlich. Da weiß mich nicht, auf was ich mich einlasse." Aber wie Sie sehen, haben wir es trotzdem geschafft, zwei arbeitsfähige Gremien zu wählen. Eine Neuerung ist dabei, dass die Vertreterinnen und Vertreter der sogenannten kategorialen Seelsorge zusätzlich in den Pfarrgemeinderat berufen wurden. Das macht deutlich, dass sich die Wahrnehmung der Einrichtungen auf dem Gemeindegebiet deutlich verändert hat.

 

Frage:  Wenn Sie gerade von den Gremien, besonders dem Pfarrgemeinderat sprechen: Wie gestaltet sich die Arbeit des Pfarrgemeinderates hier in St.Raphael?

 

Antwort:  Wir haben die Anzahl der Sitzungen des Pfarrgemeinderates reduziert und gleichzeitig vier Ausschüsse gegründet. Diese Ausschüsse treffen sich mehrmals. Leider klagen die Mitglieder aus den Ausschüssen darüber, dass sie in sehr kleinen Gruppen arbeiten müssen. Weitere Mitglieder aus der Gemeinde sind schwer zu finden, weil bei vielen das „Raphael-Denken" noch nicht vorhanden ist.

 

Frage:  Wie erleben denn die Gemeindemitglieder nach jetzt fast zwei Jahren St.Raphael die Gemeinde?

 

Antwort:  Es fällt vielen noch schwer, sich für die große Gemeinde St.Raphael zu engagieren. Häufig wird die Sorge geäußert, dass die Beziehung zur eigenen Kirche und den Menschen vor Ort verloren geht. Durch den Priesterwechsel im vergangenen Jahr wurden Prozesse unterbrochen und es stellten sich neue Fragen. Auch durch den wöchentlichen Wechsel der Priester bei der Feier der Gottesdienste geht Beziehung verloren. Wir hören außerdem, dass Zuständigkeiten nicht mehr klar sind. Welches Pfarrbüro ist für welche Aufgabe zuständig? Wie ist das mit den anderen Hauptamtlichen? Warum kommt der Pfarrer nicht mehr zu besonderen Geburtstagen? Gab es in diesem Jahr keine Krankensalbung? Dies sind nur einige Fragen, die häufiger gestellt werden.

 

Frage:  Gib es dennoch sichtbare Zeichen für Veränderungen?

 

Antwort:  Ja, bei den Gottesdiensten sehen wir durchaus schon den einen oder die andere in einer Kirche, die sie früher nicht besucht haben.

 

Frage:  Sehen Sie Schritte vorwärts? Gibt es gemeinsame Aktivitäten, in denen St.Raphael sichtbar wird? Wie sieht es momentan aus?

 

Antwort:  Es gibt schon viele Ergebnisse aus der gemeinsamen Arbeit. Ich nenne einige Beispiele:

Die Kinder- und Jugendarbeit:

-     gemeinsame Gruppenleiterrunden

-     Erstkommunionvorbereitung

-     Firmkatechese

-     außerschulischer Religionsunterricht

-     Sommerfreizeiten

Die Gottesdienste:

-     Abstimmung der Gottesdienstzeiten (sonntags, feiertags und werktags)

-     Wegegottesdienste

-     Neujahrsgottesdienst

-     Gedächtnisfeier für die Verstorbenen

-     Caritas-Sonntag (gemeinsam vorbereitet und von den Kategorien unterstützt)

Das Patronatsfest (es wurde schon zweimal gemeinsam gefeiert)

Der gemeinsame Pfarrbrief

Die Absprachen der Kirchenmusiker/innen während der Erprobung des neuen Gesangbuches

 

Frage:  Das hört sich ja gut an. Aber was passiert mit den gewachsenen Strukturen innerhalb der einzelnen Kirchen?

 

Antwort:  Die wollen wir, da wo es sinnvoll ist, natürlich erhalten. Übers Knie brechen tut nicht gut. Wir merken einfach, dass Veränderungen auch Zeit brauchen. Und dass die Menschen unterschiedlich darauf reagieren. Lassen Sie es mich mit folgenden Worten zusammenfassen: „Wo der Wind des Wandels weht, bauen die einen Schutzmauern und die anderen Windmühlen!"

 

Reporter:  Wir wünschen, dass der Wind Ihre Windmühlen immer weiter in Gang hält, das Ganze aber nicht im Sturm endet. Vielen Dank für das Interview!