Entwicklung der Kindertagesstätte St.Thomas/St.Antonius
Montag, 12. Januar 2009

Am 12.Januar waren Kirchenvorstand und Pfarrgemeinderat zu einer gemeinsamen Sitzung geladen, um über das gegebene Thema zu beraten. Zu dieser Sitzung waren auch Herr Hampe (Katholischer Gemeindeverband), Frau Bücker (Kita-Fachberaterin), Frau Prevot (Schulleiterin der St.-Antonius-Schule) und Frau Kaufmann (Leiterin der Kindertagesstätte St.Thomas/St.Antonius) eingeladen. Außerdem nahmen viele Gäste, darunter Erzieherinnen, Eltern und Gemeindemitglieder aus St.Thomas teil. Sitzungsort war das Gemeindezentrum St.Thomas.

Ausgangspunkt der jetzigen Überlegungen war der Wunsch der St.-Antonius-Schule und der Kindertagesstättenaußengruppe St.Antonius nach einer Neugestaltung des gemeinsam genutzten Schulhofes. Vor einer vermutlich kostenintensiven Erneuerung der Spielfläche war es dem Katholischen Gemeindeverband wichtig, grundsätzliche Überlegungen hinsichtlich der zukünftigen Entwicklung beider Einrichtungen anzustellen. Sowohl die Schule als auch die Kindertagesstätte müssen aus Sicht des Katholischen Gemeindeverbandes baulich weiterentwickelt werden, um auch weiterhin den gesellschaftlich gewünschten und gesetzlich geforderten Rahmenbedingungen zu entsprechen. Ein entsprechender Ausbau beider Einrichtungen ist aber in St.Antonius aus Platzgründen nicht möglich.

Mit dem Vorschlag des Katholischen Gemeindeverbandes, beide Kindergartengruppen darum in St.Thomas zusammenzuführen und um eine Unter-3jährigen-Gruppe zu erweitern, haben sich der Kirchenvorstand (am 24.November 2008) und der Pfarrgemeinderat (am 15.Dezember 2008) befaßt und daraufhin die heutige gemeinsame Sitzung gewünscht.

Frau Kaufmann stellt das derzeitige pädagogische Konzept der Kindertagesstätte vor. Frau Bücker erläutert daraufhin die gesetzlichen Bestimmungen und konzeptionellen Überlegungen bzgl. der Kindertagesstätte St.Thomas/St.Antonius: Beide Einzelgruppen verfügen derzeit über keine Differenzierungsräume, Abstellräume oder Büros und bieten wegen fehlender Essensmöglichkeit keine über den Mittag hinausreichenden Öffnungszeiten; außerdem sind sie personalintensiv, weil an beiden Standorten aus rechtlichen Gründen jederzeit jeweils zwei Erzieherinnen präsent sein müssen. Die dadurch benötigten Mehrstunden gehen zu Lasten der übrigen Katholischen Kindergärten in Bremen. Das Angebot an U3-Pätzen ist in Bremen, auch in Osterholz, nicht ausreichend.

Herr Hampe erläutert aus Sicht des Katholischen Gemeindeverbandes, dass beide Gruppen in ihrer jetzigen Form keinen Bestand haben und aufgegeben werden müssen. Der Katholische Gemeindeverband hat aber ein starkes Interesse an einer zusammengeführten und ausgebauten zweiten Kindertagesstätte in St.Raphael. Ein Kindergarten mit zwei Regelgruppen und einer U3-Gruppe, der attraktive Öffnungszeiten anbieten will, benötigt etwa 350qm Nutzfläche. In St. Antonius reicht der Platz nicht dafür aus.

Aus Sicht der Pfarrgemeinde erläutert Pfarrer Dau, daß im Pastoralen Raum auch in Zukunft vier starke Orte unverzichtbar sind: St.Hedwig, St.Antonius, St.Thomas und St.Godehard. Ein Herausnehmen der Kita-Gruppe aus St.Thomas würde diesen Ort substantiell so sehr schwächen, dass dieser Ort langfristig aufgegeben werden müsse. Mit dem vorgeschlagenen Konzept würden sowohl der Kindergarten (und damit auch der Ort St. Thomas) als auch die Schule (und damit auch der Ort St.Antonius) gestärkt. Unbedingt notwendig ist zukünftig eine deutlich engere Zusammenarbeit zwischen Kindergarten und Schule.

Nach den Informationen fand eine ausführliche und konstruktive Diskussion statt, in der sowohl Kritiker wie auch Befürworter des vorgeschlagenen Konzeptes zu Wort kamen. Dabei bestand Konsens, daß die Kindertagesstätte ohne eine Zusammenlegung auf Dauer nicht überlebensfähig ist. Kritisiert wird, daß die räumliche Nähe von Kindergarten und Schule aufgegeben wird. Es wurde auch Besorgnis geäußert, ob ein ausgebauter Kindergarten in St.Thomas genügend Zuspruch findet und dort das Gemeindeleben bereichern kann.

Die geheime Abstimmung von Kirchenvorstand und Pfarrgemeinderat, ob der Gemeindeverband das vorgelegte Konzept weiter vorantreiben soll ergibt 24 Ja-Stimmen, 2 Nein-Stimmen und 4 Enthaltungen. Aus rechtlichen Gründen erfolgt daraufhin eine (ebenfalls geheime) gesonderte Abstimmung allein der KV-Mitglieder: 11 Ja-Stimmen und 1 Enthaltung.

 

 

Lesen Sie dazu auch diesen Artikel aus dem Pfarrbrief 2/2009:

 

 

St. Antoniusschule

und Kindergarten St. Thomas / St. Antonius

 

Vor einiger Zeit hat der Katholische Gemeindeverband eine Anfrage der Kindergartengruppe und der Schule in St.Antonius über die Umgestaltung des Schulhofes zum Anlass genommen, grundlegend über eine mögliche Weiterentwicklung und Zukunftssicherung beider Institutionen nachzudenken. Sowohl der Kindergarten als auch die Schule haben einen erhöhten Raumbedarf, der für beide Seiten in St.Antonius nicht zu decken ist. In langen Überlegungen entstand die Idee, die Kindergartengruppen von St.Antonius und St.Thomas (die schon jetzt rechtlich als ein Kindergarten gelten) in St.Thomas zusammen zu führen und um eine Gruppe für unter 3jährige Kinder zu erweitern. Dies würde den Kindergarten stärken, der Profilierung von St.Thomas dienen und der Schule in St.Antonius mehr dringend benötigten Raum zur Verfügung stellen.

Auf einer gemeinsamen Sitzung von Pfarrgemeinderat und Kirchenvorstand am 12.1.2009 in St.Thomas wurde nach gründlicher Diskussion mit großer Mehrheit entschieden, die Planungen dafür in Angriff zu nehmen und Genehmigungen für die in St.Thomas nötigen Umbaumaßnahmen zu beantragen. Diese Entscheidung sorgt sowohl bei betroffenen Eltern als auch bei anderen Gemeindemitgliedern für Verunsicherung und Enttäuschung. Die gewählten Gremienmitglieder haben sich diese Entscheidung nicht leicht gemacht.

Es ist immer schwer, von Vertrautem Abschied zu nehmen, und für viele Familien in St.Antonius gehört der Kindergarten seit langem ganz selbstverständlich zum Bild der Gemeinde dazu. Die „Laufbahn" Kindergarten - Schule - Gemeindeleben bis hin zum aktiven Gruppenleiter haben viele absolviert und wünschen sich dies auch für die eigenen Kinder. Auch für die Gemeinde St.Thomas bedeutet dieser Schritt eine große Veränderung: Eine bisher kleine Institution soll hier zukünftig großen Raum einnehmen und der Gemeinde Profil geben: bleibt da noch genug Raum für das vertraute, lebendige Gemeindeleben?

Dass die Entscheidung dennoch so eindeutig fiel, hat sachliche Gründe, die im folgenden erläutert werden. Sehr ausführlich und fachkundig informierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Katholischen Gemeindeverbandes über die sich wandelnden gesetzlichen Vorgaben und die Entwicklung von Elternwünschen angesichts veränderter gesellschaftlicher Bedingungen. Die Tatsache, dass in vielen Familien beide Elternteile berufstätig sind, aber auch eine beträchtliche Anzahl Alleinerziehender verstärken den Wunsch nach veränderten Betreuungszeiten, einem Mittagessen und der Betreuung der unter 3jährigen Kinder. Die Konkurrenzsituation im Bereich der Kindergärten hat sich erheblich verschärft. Zahlreiche Einrichtungen im Bremer Osten erfüllen alle oben genannten Kriterien und leisten gute pädagogische Arbeit.

Im Moment erfüllen weder die Kindergartengruppe in St.Antonius noch die in St.Thomas die gesetzlichen Vorgaben hinsichtlich der Raumgröße und Ausstattung; so fehlen beispielsweise Differenzierungsräume und ein abgeschlossener Platz für Verwaltungs- und Leitungsaufgaben völlig. Die Vertreter des Gemeindeverbandes machten deutlich, dass beide Einrichtungen ohne grundlegende Änderungen nicht überlebensfähig sind. Die Unterhaltung nur einer Kindergartengruppe an einem Ort ist mit hohen Kosten verbunden, da immer zwei Erzieherinnen da sein müssen. Das stellt gegenüber Einrichtungen in anderen katholischen Gemeinden eine Ungerechtigkeit dar, da aus diesen Einrichtungen Erzieherstunden abgezogen werden. Vertretung in Krankheitsfällen sowie Verwaltungsaufgaben sind in größeren Einrichtungen leichter zu regeln. Dies macht aus Sicht des Trägers eine Zusammenlegung beider Gruppen zwingend erforderlich. Es sei noch einmal erwähnt, dass eine Zusammenlegung in St. Antonius nicht angesiedelt werden kann, da der angemessene Ausbau sowohl des Kindergartens als auch der Schule hier aus Platzgründen nicht möglich ist.

Was versprechen sich der Gemeindeverband als Träger und unsere Gemeinde St.Raphael von dieser Regelung? Wir werden auch in Zukunft in St.Raphael neben dem großen Kindergarten in St.Hedwig einen weiteren Kindergarten haben, der in höherem Maße als bisher den veränderten Bedürfnissen nach Betreuung nachkommen kann und weiterhin Vorschulerziehung mit katholischem Profil leistet. St.Thomas erfährt als Gemeindekirche eine stärkere Profilierung, die in St.Antonius durch die Schule bereits gegeben ist. Die St.-Antonius-Schule hat mehr Raum zur Verfügung; auch hier fordern bildungspolitische Vorgaben und die Entwicklung hin zur Ganztagsschule Veränderungen. Der eine hier frei werdende Kindergartenraum wird natürlich nicht ausreichen, allen Raumbedarf zufriedenstellend zu lösen; das ist den Verantwortlichen bewusst und es wird hier zu Verhandlungen kommen.

Die ersten Weichen wurden gestellt. Wie lange die Genehmigungen dauern, wann genau die Bauarbeiten beginnen und die Zusammenlegung konkret wird, können wir noch nicht beurteilen. Natürlich müssen wir weiterhin intensiv über ein pastorales Gesamtkonzept für St.Raphael beraten, das sowohl den Institutionen als auch der Gemeinde genügend Raum für Begegnungen und Aktivitäten bietet. Bei allem erhoffen wir uns - trotz räumlicher Trennung - eine intensive und fruchtbare Zusammenarbeit beider Institutionen untereinander und mit der Gemeinde. Für diese Arbeit sind die Mitarbeiterinnen des Kindergartens und der Schule auf wohlwollende Unterstützung angewiesen: sowohl der Eltern als auch der Gemeinde.