Wegegottesdienst in St.Thomas
Donnerstag, 06. September 2007

Prägend für die Kirche St.Thomas ist jedoch ihre Form. Die Gemeinde versammelt sich „rings" um ihren Herrn, der in ihrer „Mitte" ist. Und sie tut es in einem durch die Dachform angedeuteten „Zelt". Das „Zelt" verweist auf die erste symbolische Wohnstatt Gottes inmitten seines Volkes, nämlich dem Zeltheiligtum Israels, das mit dem wandernden Volk mitzog und in der Bundeslade von der heiligen Gegenwart Gottes erfüllt war. Die Zeltform macht bis heute darauf aufmerksam, daß die Kirche niemals „stillstehen" und sich „festsetzen" darf, sondern stets Gott auf dessen Wegen zu folgen hat. In einer Meditation heißt es:

 

Das Zelt.

Wir denken an Camping, Trekking und Abenteuerurlaub.

An Festzelt, Spielzelt und Partyzelt.

Das Zelt.

Eine der ersten Behausungen der Menschheit.

Noch heute leben Menschen in Zelten.

In manchen Kulturen als selbstverständliche Behausung.

Andernorts als Notunterkunft nach Katastrophen.

Oder als unwürdige Existenz in Flüchtlings- und Elendslagern.

Das Zelt.

Wie viele leben seit Jahren in Zelten!

In eisiger Kälte in Erdbeben in Pakistan.

In sengender Hitze am Rande der Wüste im Sudan.

In zerschossenen Lagern in Palästina.

Das Zelt.

Eine Behausung von Elend und Verarmung.

Ein Symbol für Verzweiflung und Agonie.

Ein Ort der Gegenwart Gottes...?

Das Zelt.

Ein Zelt war das allererste Tempelheiligtum Israels.

Der Ort für den Gott, der sich nicht festsetzen lassen will.

Der Platz für den Gott, der auch die Zelte abbrechen kann.

Die Heimat für den Gott, der mitziehen will:

Von Ort zu Ort.

Von der Geburt bis zum Tod;

Das Zelt.

Zugleich Notunterkunft und Tempel!

Zugleich Ort des Elends und göttlicher Herrlichkeit!

Zugleich dünne Zeltplane und von Herzen kommende Wärme!

Zugleich windgeschüttelte Wände und gläubige Geborgenheit!

Zugleich elende Behausung und heiliger Boden!

In einem Zelt versammeln wir uns in St.Thomas mit unserem Gott.

Wer erzählt die Geschichten, die den Raum füllen?

Wer schürt das wärmende Feuer?

Werden wir das Wunder des anbrechenden Morgens erleben? -

Werden wir die Sonne aufgehen sehen und uns an ihr freuen?

Kommen wir hier zu uns selbst - und zu unserem Gott?

 

 

 

Ein durch Pfarrer Dau in diesem Gottesdienst besonders hervorgehobenes Merkmal der Kirche sind die Fenster, die von Gott, von dessen Beziehung zum Menschen sowie von der Beziehung des Menschen zu Gott und zur Schöpfung erzählen. In der Begegnung mit Gott erfährt der Mensch Halt und Stütze.

Musikalisch wird der Gottesdienst vom Organisten und einer Männerschola begleitet. Der Abend klingt im angrenzenden Saal bei einem gemütlichen Beisammensein aus.